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Das Hightech-Juwel der französischen Flotte wird dank des Upgrades mit 64 Raketen schwer bewaffnet sein.

Matrose auf Schiff lädt Raketen in Abschussvorrichtung, Meer im Hintergrund, Sonnenschein, technisches Diagramm auf Deck.

Am Papier is des a bescheidene 4.500‑Tonnen‑Fregatte.

In da Realität wird a unscheinbare ingenieurtechnische Änderung glei ihre „Gewichtsklass’“ verschieben.

De neue FDI‑Fregatte Amiral Ronarc’h von da französischen Marine kriegt a Upgrade, des ma am Deck fast ned sieht – des aber radikal ändert, wozu des Schiff im Gefecht fähig is. Indem ma neu denkt, wie Raketen ihre Startzellen verlassen, macht Frankreich aus am „kompakten Eskortschiff“ a ernstzunehmende Plattform für Gebietsluftverteidigung, die auf amoi in derselben Liga wie deutlich größere Zerstörer mitspielt.

A kleine Fregatte mit Ambitionen in Zerstörer‑Größe

Die FDI (Frégate de Défense et d’Intervention) is als hochmoderne, aber relativ kompakte Kampfeinheit entworfen worden. Mit rund 4.500 Tonnen liegt’s deutlich unter US‑, britischen oder südkoreanischen Zerstörern, die oft über 8.000 oder sogar 10.000 Tonnen haben.

Bis jetzt hat si dieser Größenunterschied auch in da Feuerkraft niedergschlagen. Die FDI hat nur 16 Aster‑Flugabwehrraketen in Sylver‑A50‑Vertikalstartzellen g’habt. Des reicht für Selbstschutz und Eskort auf kurze Distanz – aber ned, um an schweren, länger anhaltenden Luft‑ oder Raketenangriff abzuwehren.

Des neue Upgrade soll’s der FDI ermöglichen, ihre Raketenbeladung von 16 auf bis zu 64 Flugabwehrraketen zu vervierfachen – ohne den Rumpf zu verlängern.

Der französische Schiffbauer Naval Group entwickelt dafür a neues Vertikalstartsystem mit „Cold‑Launch“‑Technologie. Damit kann die FDI deutlich mehr Raketen im selben Bauraum unterbringen und die Amiral Ronarc’h wird zu ana kompakten, aber schwer bewaffneten Abfangplattform.

Cold Launch: der unscheinbare Trick, der ois ändert

Die meisten westlichen Seeraketen verwenden „Hot Launch“. Da zündet der Booster in da Startzelle, und die Rakete schießt unter eigenem Schub heraus. So funktionieren die Aster‑Raketen auf der FDI. Des is einfach und kraftvoll, stellt aber hohe Anforderungen an Struktur und Kühlung, weil Hitze und Abgase in der Zelle anfallen.

Cold Launch versus Hot Launch

Beim Cold Launch is des umdraht: Die Rakete wird zuerst durch Gasdruck oder a Ausstoßsystem aus der Zelle rausgedrückt, und erst dann zündet ihr Motor in freier Luft. Die britisch‑italienische CAMM‑Familie (Common Anti‑air Modular Missile), die Frankreich dafür einsetzen will, arbeitet so.

  • Hot Launch (Aster): Booster zündet im Rohr.
  • Cold Launch (CAMM): Rakete wird zuerst ausgeworfen, dann zündet’s außerhalb.

Des scheinbar kleine Detail bringt mehrere Vorteile:

  • Weniger Hitze und Abgas im Launcher.
  • Geringere strukturelle Anforderungen rund um die Zellen.
  • Dichtere Packung: mehr Raketen auf derselben Grundfläche.

Indem Naval Group an Teil der FDI‑Bewaffnung auf Cold Launch umstellt, kann ma Start‑„Module“ in bestehende Bereiche einschieben, die beim Entwurf bewusst frei g’lassen worden sind.

A versteckte Platzreserve am Bug der FDI

Der Schlüssel liegt im Layout vom Vorschiff. Von Anfang an haben die Designer in Lorient drei sichtbare, aber ungenutzte „Schächte“ vor der Hauptaufbauten vorgesehen:

  • Ein rechteckiger Schacht, groß genug für zwei Sylver‑A50‑Module nebeneinander.
  • Zwei quadratische Schächte, die entweder A50‑Launcher oder die größeren A70‑Launcher für MdCN‑Marschflugkörper aufnehmen können.

Bis jetzt haben diese Bereiche wie Wachstumsreserven für spätere Systeme ausgschaut. Naval Group will sie jetzt voll ausnutzen – mit neuen, sehr kompakten Cold‑Launch‑Blöcken für CAMM‑Raketen.

Jedes Modul könnt bis zu 24 CAMM‑Raketen tragen. Mit zwei installierten Modulen wird die Rechnung eindrucksvoll:

  • Bestehende Bewaffnung: 16 Aster 15/30.
  • Neue Cold‑Launch‑Kapazität: 2 × 24 CAMM = 48.
  • Gesamt: 64 Flugabwehrraketen feuerbereit.

Und des alles ohne Rumpfverlängerung, ohne Wohn‑/Betriebsräume zu beschneiden oder U‑Jagd‑Sensorik wie das schleppbare CAPTAS‑4‑Sonar zu opfern – und ohne am starken Sea‑Fire‑Radar, das eh schon verbaut is, etwas zu ändern.

Weg von US‑kontrollierten Standards

Schluss mit Abhängigkeit von amerikanischer Launcher‑Technologie

Viele Marinen, die CAMM oder ähnliche Raketen in Betracht ziehen, kombinieren sie mit ExLS – einem modularen Launcher aus den USA, der stark von Washington kontrolliert wird. Damit hält die US‑Industrie einen Teil der Lieferkette in der Hand und hat in der Praxis bei manchen Exportkombinationen a Mitsprach‑ bis Vetorecht.

Frankreich geht an anderen Weg. Statt ExLS zu übernehmen, bringt Naval Group an eigenen Vertikallauncher, zugeschnitten auf französische und europäische Raketen. Des hat a klare industrielle und politische Aussage: Französische Fregatten können mit staatlich gestützter Technologie aufgerüstet werden – ohne US‑Genehmigung.

A französisches Cold‑Launch‑System gibt Paris und Exportkunden Autonomie über Rakete und Launcher – bis hin zu Integrationsentscheidungen.

Für potenzielle Käufer wie Griechenland, Marokko oder möglicherweise Schweden is des relevant. Es heißt: moderne Luftverteidigungsfregatte, europäische Raketen – und trotzdem a Stück Unabhängigkeit von US‑Exportkontrollketten.

Von Naheskorte zu echter Gebietsluftverteidigung

Warum 64 Raketen das taktische Bild verändern

Moderne Seekriegsführung lebt von „Feuervolumen“. Drohnen, Anti‑Schiff‑Raketen, Gleitbomben und Stand‑off‑Waffen können in Salven aus mehreren Richtungen kommen. A Fregatte mit nur 16 Raketen kann nur a Handvoll Bedrohungen bekämpfen, bevor die Magazine knapp werden.

Mit 48 CAMM plus 16 Aster erweitert sich die Rolle der FDI deutlich. Sie schützt nimmer nur sich selbst oder a einzelnes Hochwertziel auf kurze Distanz, sondern kann a echten Schutzschirm über a viel größere Zone legen. Des is in Szenarien wichtig wie:

  • Eskort für a amphibische Task Group bei ana Küstenoperation.
  • Schutz für an Konvoi durch an umkämpften Engpass.
  • Bestandteil vom Screen rund um an Flugzeugträger oder Helikopterträger.
  • Verteidigung kritischer Küsteninfrastruktur oder Offshore‑Gasfelder.

Im östlichen Mittelmeer, am Golf, in der Ostsee oder im Südchinesischen Meer wird a kompakte Fregatte mit 64 Raketen zu am starken Stein am regionalen Schachbrett. Sie kann zur Luftverteidigung verbündeter Kräfte beitragen und gleichzeitig U‑Boote jagen und Aufklärung betreiben.

Wie sich die FDI gegen größere Schiffe schlägt

Raketenanzahl ohne Zerstörer‑Preis

Zerstörer wie die US‑Arleigh‑Burke‑Klasse, die britische Type 45 oder südkoreanische Aegis‑Schiffe sind um große Vertikalstartanlagen herum gebaut. Ihre reine Zellzahl bleibt höher – aber die aufgerüstete FDI rückt näher heran, als es ihre Verdrängung vermuten lässt.

Schiffstyp Ca. Verdrängung Typische VLS‑Zellen / Raketen Rolle
FDI (Original) 4.500 t 16 Aster Standard‑Luftverteidigung, Eskort
FDI (2 Cold‑Launch‑Module) 4.500 t 16 Aster + 48 CAMM = 64 Gebietsluftverteidigung, Anti‑Sättigung
Type‑45‑Zerstörer (UK) ~8.000 t 48 Aster Gebietsluftverteidigung
Arleigh Burke (US) ~9.000 t 90+ Zellen (Raketenmix) Multirole, Langstrecken‑Schlag

Die FDI führt zwar weiterhin weniger Raketen als a voller Zerstörer, aber sie verringert den Abstand – und bleibt dabei günstiger in Bau, Betrieb und Besatzung. Für mittelgroße Marinen is des a attraktiver Kompromiss: solide Luftverteidigung ohne den vollen logistischen „Fußabdruck“ eines Großkampfschiffs.

Flexible Mischungen: von Luftverteidigung bis Landangriff

Die neue Launcher‑Architektur lässt auch Raum für Mischkonfigurationen. Manche FDIs – speziell für Export – könnten CAMM‑Luftverteidigungsraketen mit MdCN‑Marschflugkörpern zum Landangriff kombinieren, die in Sylver‑A70‑Zellen untergebracht sind.

A geplante Konfiguration kombiniert 8 MdCN‑Raketen für Landziele mit 24 CAMM‑Raketen – und gibt ana einzelnen Fregatte sowohl Deep‑Strike als auch Luftverteidigung im kurzen bis mittleren Bereich.

So a Hybridbeladung erlaubt’s, je nach Einsatzraum und Auftrag zwischen „reinem Luftschild“, Schlagkraft oder ausgewogener Mischung zu wählen. In ana Krise könnt a Task‑Group‑Kommandant z. B. a FDI näher an die Küste schicken, um MdCN auf Ziele im Hinterland abzufeuern, und trotzdem noch Schutz gegen Drohnen und Flugzeuge zu bieten.

Was „Sättigungsangriff“ auf See wirklich bedeutet

Der Begriff „Sättigung“ wird oft verwendet – aber ohne Kontext. Im maritimen Sinn heißt des: so viele Waffen gegen a Ziel zu schicken, dass die Abwehr nimmer alles rechtzeitig abschießen kann. Des kann beinhalten:

  • Mehrere Raketenwellen nacheinander aus unterschiedlichen Anflugrichtungen.
  • Kombination billiger Drohnen mit wenigen hochwertigen Anti‑Schiff‑Waffen.
  • Täuschkörper und Störsender, um Radar und Feuerleitssysteme zu verwirren.

A Schiff mit nur ein bis zwei Dutzend Abfangraketen kommt schnell in a Mathematikproblem. Schon das Abfangen von 15 bis 20 anfliegenden Bedrohungen kann den Großteil der Magazine verbrauchen. Mit 64 sofort verfügbaren Raketen hat die FDI bessere Chancen, mehrere Wellen zu überstehen – und trotzdem noch Reserven zu haben, wenn’s wirklich drauf ankommt.

Risiken, Nutzen und Zukunftsszenarien

Es gibt Abwägungen. Mehr Raketen auf ana kompakten Plattform konzentrieren Wert: Wenn a FDI verloren geht, tut’s mehr weh. Des wirft Fragen zu Schadenabwehr, Redundanz und dazu auf, wie viele solcher Schiffe a Marine gleichzeitig auf See halten kann.

Andererseits können Verbündete in engen Gewässern mit wenigen FDIs à 64 Raketen überlappende „Schutzblasen“ erzeugen. Man stell sich a griechische FDI in der Ägäis vor, oder a marokkanische FDI, die den Verkehr durch die Straße von Gibraltar absichert. Die Kombination aus dichter Raketenbewaffnung, modernem Radar und U‑Jagd‑Ausrüstung würde regionalen Kommandanten a flexibles, schlagkräftiges Werkzeug geben.

Wenn das Cold‑Launch‑System so funktioniert wie geplant, könnte es sich auch über die FDI hinaus verbreiten. Dieselbe Logik ließe sich auf zukünftige französische Überwasserkampfschiffe oder gemeinsame europäische Projekte anwenden – und europäischen Marinen an unabhängigeren Weg zu hochdichter Raketen‑Feuerkraft eröffnen.

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