Zum Inhalt springen

In Bulgarien wurde zufällig ein seltsamer Stein im Wald gefunden. Er könnte die erste Sternkarte der Geschichte sein.

Mann im Wald untersucht einen mysteriösen Stein mit Symbolen. Eine weitere Person zeigt auf den Stein.

Near beim winzigen Dorf Skobelevo, in de schroffn Rhodopen, sogn Forscher, dass a verwitterter Felsblock weitaus mehr sein könnt als nur a kurioses geologisches Merkmal: möglicherweise is es a von Menschen gmachte Kartn vom Nachthimmel, vor tausenden Joahrn gschaffn.

A Spaziergang im Woid, der ois verändert hot

Am 20. Mai 2013 san de bulgarischn Forscher Georgi Georgiev und Ivelina Georgieva über an bewaldeten Hang in da Nähe von aner antiken thrakischen Nekropole gwandert. Des Gebiet is scho vümal untersucht worn, aber hauptsächlich auf Gräber und rituelle Anlagen hin – ned auf Steine, de abseits ruhiger Wege liegn.

An dem Tog is eana a großer Stein aufgfoin, der teils im Unterholz vergraben war. Er hot in ana ungewöhnlichen Neigung glengt, ungefähr ost–west ausgerichtet, und über sei dunklere Oberfläche is a helle Ader aus weißem Marmor glaufn. Im gefleckten Berglicht hot des Band fast wie a blasser Fluß ausgschaut, der den Stein quert.

De Neugier hot’s näher zogn. Wia’s Laub und Erde wegwischt hobn, homs gmerkt: De Oberfläche war ned glatt. Sie war bearbeitet. Dutzende kleine, kegelförmige Vertiefungen san sorgfältig in den Fels gmeißelt worn – manche breiter, manche enger – und in ana Anordnung, de verdächtig nach Muster ausgschaut hot.

Der Stein trägt 56 eingemeißelte Mulden, aufgeteilt auf a nördliche und a südliche Hälftn – mit aner Genauigkeit, die alles andere als zufällig wirkt.

Spätere Messungen hom zeigt: Der Block is ungefähr zwoa auf drei Meter groß. Auf da „nördlichen“ Seitn 24 Vertiefungen, auf da „südlichen“ 32. Für’n Georgiev, der mit natürlichen Erosionsformen guat vertraut is, hobn Symmetrie und saubere Bearbeitung stark dafür gsprongn, dass do Menschenhände und a bewusster Plan dahintersteckt.

Von Mulden zu Sternbildern

Wie de ersten Skizzen und Fotos zruck ins Labor kemma san, hot des Muster plötzlich unheimlich vertraut wirkt. Mehrere Gruppen von Vertiefungen san so ausgerichtet, dass’s zu bekannten Sternbildern am Nordhimmel passt.

Der Große Bär – der Große Wagen – sticht am klarsten heraus, gemeinsam mit’m Löwen. Andere, a bissl lockerere Gruppierungen scheinen an Cassiopeias „W“-Form zu erinnern, ans Kreuz vom Schwan, ans kompakte Muster der Leier und an den engen Knoten der Plejaden.

Des Zusammenspiel hot a Welle an archäoastronomischem Interesse ausglöst: Könnt des a prähistorische Sternkarte sein statt nur a abstrakte rituelle Ritzung?

Die unterschiedlichen Größen der Mulden scheinen die Helligkeit der Sterne zu spiegeln – als ob man bewusst zeigen wollt, welche Sterne am Nachthimmel stärker leuchten.

Laut Georgiev könnt die Nord–Süd-Teilung am Stein a gedankliche Trennung in zwoa Himmelshälften darstellen – ähnlich, wie Astronomen heit von Himmelshemisphären redn. Die größeren Mulden könntn Sterne erster Größenklasse markieren, während kleinere die schwächeren Lichtpunkte nachzeichnen.

A Steinkalender für Landwirtschaft und Ritual

Die Mitforscherin Ivelina Georgieva hot a kühne Deutung eingebracht: Der Fels könnt als Sternkalender gedient hobn. Indem ma beobachtet, wann welche eingemeißelten Sternbilder zu bestimmten Jahreszeiten über’n Horizont steigen, hättn lokale Gemeinschaften Aussaat, Ernte und saisonale Riten timen können.

Für neolithische oder früheisenzeitliche Gesellschaften war der Nachthimmel ka abstrakte Spielerei. Er war a Terminplan. Die saisonalen Veränderungen in da Sichtbarkeit von Sternbildern ham a verlässliches Gerüst fürs Planen von Arbeit und Zeremonien geboten – lang bevor’s gschriebene Kalender geben hot.

Georgieva argumentiert, dass der Skobelevo-Stein a sorgfältige, langfristige „Lesung“ vom Himmel festhält. De Leit hättn Jahr für Jahr beobachtet, wo Sterne auf- und untergeh’n, und dieses Wissen dann in die Anordnung der Mulden übersetzt.

Glitzern, Glimmer und die Milchstraßen-Linie

Der visuelle Effekt vom Stein war vermutlich sogar bei Tageslicht stark. In da bearbeiteten Oberfläche steckt Glimmer (Mica), a Mineral, des in da Sunn funkelt. Bei direktem Licht entsteht dadurch a feines, sich veränderndes Schimmern rund um die Vertiefungen.

In Kombination mit der breiten, weißen Marmorader quer über’n Stein ergibt des an eindrucksvollen Eindruck: a heller Streifen, der a Feld aus hellen Punkten durchschneidet. Für die Forscher erinnert des stark an die Milchstraße, die über an sternvollen Himmel gespannt is.

Der Fels scheint so gmocht, dass er an lebendigen Himmel evoziert: a schimmerndes Band wie die Milchstraße, des durch a Feld aus in Stein „eingemeißelten Sternen“ schneidet.

Die Materialwahl könnt ned zufällig sein. In vü prähistorischen Fundplätzen tauchen reflektierende Steine, Kristalle oder erhitzte Oberflächen grad dort auf, wo rituelle Handlungen oder Himmelsbeobachtung plausibel san. Lichteffekte können Emotionen verstärken, Aufmerksamkeit bündeln und Gemeinschaftstreffen dramatischer wirken lassen.

A zwoater Stein zeigt nach Osten

Aun da Ort stärkt die astronomische Lesart. In da Nähe vom bearbeiteten Block hot’s Team an zwoaten Stein identifiziert, mit aner zylindrischen Vertiefung, die nach Osten orientiert is.

Diese Ausrichtung könnt wie a primitives „Sichtrohr“ funktioniert hobn, um den heliakischen Aufgang wichtiger Sterne zu markieren – den Moment, wann a Stern in da Morgendämmerung zum ersten Mal wieder sichtbar wird, nachdem er im Sonnenlicht verborgen war. Vü antike Kulturen, von Ägypten bis Mesopotamien, hom solche Aufgänge verwendet, um den Start von landwirtschaftlichen Saisonen oder religiösen Kalendern festzulegen.

Zusammengsehn wirken da „Sternkarten“-Stein und der ostwärts gerichtete Stein eher wie Teile von aner kleinen Freiluft-Beobachtungsstätt als wie vereinzelte Kuriositäten.

Wie alt is Bulgariens mögliche Sternkarte?

Die Datierung vom Skobelevo-Stein hat sich als schwierig erwiesen. Bis jetzt san rund um den Block ka Keramikscherben, Knochenfragmente oder verkohlte Reste gfundn worn. Damit fallen Radiokohlenstoffdatierung und stratigraphische Analyse vorerst weg.

Stattdessen vergleicht’s Team den Fund mit benachbarten archäologischen Plätzen. Die Region is reich an thrakischen Grabhügeln und Nekropolen, viele davon genutzt vom späten Neolithikum bis in die frühe Eisenzeit.

Auf Basis dieses Kontexts verorten Georgiev und seine Kolleg:innen die Bearbeitung derzeit grob zwischen 2000 und 500 v. Chr. Des is immer no a breites Zeitfenster von über tausend Joahrn, deutet aber drauf hin, dass der Stein in a Epoche g’hört, in der himmelsorientierte Heiligtümer im Balkanraum scho etabliert waren.

Ohne organisches Material zum Testen stützen sich die Forscher auf nahe Gräber und Ritualplätze, um den Sternstein vorläufig zwischen spätem Neolithikum und dem Beginn der Eisenzeit zu datieren.

Verbindungen zu anderen Balkan-Heiligtümern

Quer über’n Balkan zeigen mehrere prähistorische Heiligtümer Ausrichtungen auf Sonnenereignisse – etwa Winter- und Sommersonnenwende – oder auf das Aufgehen heller Sternbilder. Steinreihen, eingekerbte Rinnen und errichtete Plattformen san oft auf Sonnenauf- oder -untergang an Schlüsselterminen im Jahr ausgerichtet.

Skobelevo scheint in dieser größeren Tradition zu stehn. Der Fels könnt a lokale Umsetzung vom selben Grundziel darstellen: zyklische Ereignisse am Himmel zu verfolgen, um dem Leben am Boden Struktur zu geben.

A fragiles Stück Kulturerbe in Gefahr

Trotz der möglichen Bedeutung is der Skobelevo-Stein derzeit ohne formellen Schutz. Er liegt auf aner Waldlichtung, erreichbar für Wanderer, Holzarbeiter und neugierige Besucher – ohne Aufsicht.

Verwitterung, Pflanzenwuchs und einfache menschliche Nachlässigkeit könnten die Ritzungen nach und nach auslöschen oder beschädigen. Graffiti, Feuer oder Versuche, „Souvenirs“ abzuschlagen, wärn no viel zerstörerischer.

Der Fels liegt außerhalb jeder offiziellen Schutzzone – und damit is eines der spannendsten prähistorischen Artefakte Europas Erosion und Vandalismus ausgesetzt.

Georgiev und Georgieva ham die bulgarischen Behörden aufgefordert, den Ort ins nationale Register archäologischer Denkmäler aufzunehmen. So a Status würd grundlegende Erhaltungsmaßnahmen erleichtern und möglicherweise an kontrollierten Zugang für Forschung und Tourismus ermöglichen.

Bis jetzt ham sich die Studien auf nicht-invasive Methoden konzentriert: GPS-Kartierung, Beobachtungen von Sonnenauf- und -untergang sowie geologische Analysen vom Stein. Des spricht stark für menschliche Bearbeitung und konsistente astronomische Ausrichtungen, aber es braucht mehr Arbeit, um die konkurrierenden Hypothesen abzusichern.

Warum prähistorische Menschen den Nachthimmel kartiert ham

Für Menschen vor mehreren tausend Joahrn war der Himmel praktisches Werkzeug, spiritueller Leitfaden und gemeinsamer Bezugspunkt. A eingemeißelte „Karte“ wie der Skobelevo-Stein könnt mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllt hobn.

  • A landwirtschaftlicher Terminplan: Saisonale Sternmuster können Aussaat- und Erntetermine leiten.
  • A rituelle Bühne: Treffen, abgestimmt auf Sonnen- oder Sternereignisse, stärken Gruppenidentität.
  • A Navigationshilfe: Sternbilder helfen Reisenden, in da Nacht die Richtung zu halten.
  • A Lehrmittel: Ältere können Jüngeren zeigen, wie ma den Himmel „liest“.

Indem a Gemeinschaft Teile vom Himmel im Stein fixiert, macht’s aus veränderlichen, flüchtigen Sternen etwas Stabiles und Dauerhaftes. Dieses verankerte Wissen kann dann über Generationen weitergegeben werden, selbst wenn mündliche Traditionen sich verändern oder Nachbarkulturen Druck ausüben.

Schlüsselbegriffe und Methoden verstehen

Was is Archäoastronomie?

Archäoastronomie untersucht, wie frühere Gesellschaften den Himmel verstanden und genutzt ham. Forschende kombinieren Astronomie, Archäologie, Anthropologie und Geschichte, um zu prüfen, wie Monumente, Ritzungen oder Texte mit Himmelsereignissen z’sammhängen.

Praktisch heißt des zum Beispiel: überprüfen, ob a Steinreihe mit dem Sonnenaufgang zur Sonnenwende übereinstimmt, oder ob a Punktgruppe an einer Höhlenwand zu den Plejaden passt. Im Fall von Skobelevo geht’s darum zu testen, ob die Mulden tatsächlich bekannte Sternbilder für die betreffende geografische Breite und Epoche widerspiegeln.

Antike Himmel simulieren

A mächtiges Werkzeug dafür is Himmels-Simulationssoftware. Gibt ma Ort und a geschätztes Datum ein, kann ma den Nachthimmel rekonstruieren, wie er vor tausenden Joahrn ausgschaut hot – inklusive Korrektur für die Präzession, also das langsame Taumeln der Erdachse, das Sternpositionen über lange Zeiträume verschiebt.

Für Skobelevo können Simulationen mehrere Szenarien testen: Passt das Muster um 2000 v. Chr. besser als um 500 v. Chr.? Stimmen die vermuteten Sternbilder mit der Nord–Süd-Teilung am Stein überein? Rahmt der ostorientierte Stein den heliakischen Aufgang von an bestimmten hellen Stern – etwa Sirius oder an Schlüsselstern im Löwen?

Frage Was Forschende prüfen
Is es wirklich a Sternkarte? Statistische Übereinstimmung zwischen Mulden und Sternpositionen für bestimmte Datierungen
Wie is es verwendet worn? Zusammenhänge zwischen Ausrichtungen und saisonalen Ereignissen oder rituellen Wegen
Wie alt is es? Nahe Fundplätze, Werkzeugspuren, Erosionsraten und Himmelsrekonstruktionen

Was uns dieser bulgarische Fels no lehren kann

Wenn sich herausstellt, dass der Skobelevo-Stein tatsächlich eine der frühesten erhaltenen Sternkarten is, würd des die Vorstellungen darüber verändern, wie schnell und wie weit sich prähistorische Astronomie in Europa entwickelt hot. Es würd zeigen, dass Menschen in den Rhodopen ned nur den Himmel beobachtet, sondern das Gesehene in überraschend systematischer Form codiert ham.

Selbst wenn künftige Forschung a komplexere oder gemischte Funktion zeigt – teils Ritualsymbol, teils Kalender, teils Landschaftsmarkierung – macht der Stein jetzt scho an einfachen, kraftvollen Punkt: Lang bevor’s Teleskope und Observatorien geben hot, ham Gemeinschaften Zeit und Können investiert, um den Nachthimmel verständlich zu machen. Dieser Aufwand verbindet a Waldlichtung in Bulgarien mit Megalithen in Großbritannien, Felsritzungen in Skandinavien und Steinkreisen im Mittelmeerraum.

Für Besucher und Einheimische öffnet der Ort außerdem a andere Art von Kontakt mit der Vorzeit. Wenn ma in da Dämmerung beim Block steht und moderne Sternbilder über den Rhodopen-Gipfeln aufsteigen sieht, wird’s leichter, sich vorzustellen, wie Menschen des vor tausenden Joahrn genauso gmacht ham – Linien zwischen Sternen ziehend und ihr Wissen, Mulde für Mulde, in a glitzernde Steinplatte gmeißelt.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen