Far weg von Tokios Neonstraßen steuert a einsames Forschungsschiff in raue Pazifikgewässer – mit ana ungewöhnlich ehrgeizigen Mission.
Japan hat still und leise a hochriskante Tiefsee-Operation gestartet, die die globale Landkarte für kritische Mineralien neu zeichnen könnt und Japans Abhängigkeit von China ordentlich durcheinanderbringen könnt.
Japan schickt sein Bohr-Flaggschiff in d’ Tiefe
Des wissenschaftliche Bohrschiff Chikyu hat den Hafen von Shizuoka verlassen und nimmt Kurs auf Gewässer rund um Minamitori (a bekannt als Minami-Torishima), a winziges Atoll, fast 1.900 Kilometer südöstlich von Tokio.
Für an Monat probiert des Schiff etwas, was bislang ka anderes Land in großem Maßstab g’schafft hat: kontinuierlich seltene-Erden-reichen Schlamm von rund 6.000 Metern unter der Meeresoberfläche direkt hinauf zum Schiff zu pumpen.
Japan testet, ob a „technologisches Juwel“ a entlegene Stelle am Meeresboden in a strategische Mineral-Lebensader verwandeln kann.
Die Mission bringt enorme technische Risiken mit sich. Und sie hat politisches Gewicht, weil Tokio seine Verwundbarkeit gegenüber Exportentscheidungen aus Peking verringern will.
Warum diese Tiefsee-Schlämme so wichtig san
Seltene Erden san a Gruppe von 17 Metallen, die in Produkten stecken, die im Zentrum der digitalen und grünen Wirtschaft stehn: E-Autos, Smartphones, Windkraftanlagen, Raketen und Radarsysteme.
Sie san in der Erdkruste ned wirklich „selten“, aber nur selten in Konzentrationen zu finden, die den Abbau wirtschaftlich machen. Die Verarbeitung braucht außerdem komplexe Chemieanlagen und strenge Umweltauflagen.
- Elektromotoren und Windkraftanlagen verlassen sich auf Neodym-, Dysprosium- und Terbium-Magnete.
- LED-Bildschirme und hochwertige Displays nutzen Europium und Yttrium für kräftige Farben.
- Medizinische Bildgebung profitiert von Verbindungen aus Gadolinium und Lutetium.
Japan ist derzeit stark auf Importe angewiesen. Selbst nach an Jahrzehnt Diversifizierung kommen immer noch rund zwei Drittel der seltenen Erden aus China – speziell bei den schwereren, strategisch wichtigeren Elementen.
A frühere Exportdrossel aus China im Jahr 2010 hat Tokio überzeugt, dass Versorgungssicherheit bei diesen Metallen ned nur a Handelsthema, sondern a nationales Risiko is.
Minamitori: a winziges Atoll auf am potenziell riesigen Schatz
Minamitori selber is kaum mehr als a militärischer Außenposten mit ana Landebahn, umgeben von Korallen. Es gibt ka wirkliche Tourismusindustrie, und nur a Handvoll Menschen lebt dort.
Unter der Oberfläche schaut’s anders aus: Japanische Forschungsexpeditionen der letzten zehn Jahre haben am Meeresboden dicke Schlammschichten gefunden, die stark mit seltenen Erden angereichert san – besonders mit schweren Elementen wie Terbium und Dysprosium.
Der Schlamm is weich, eher wie klebriger Ton als wie Gestein. Über Millionen von Jahren san Metalle, die im Meerwasser gelöst warn, langsam auf den Meeresboden abgesunken und haben dort a feine, mineralreiche Schicht aufgebaut.
Diese Textur gibt den Ingenieur:innen an kleinen Vorteil: Weichen Schlamm kann ma leichter „absaugen“ als hartes Erz aufbrechen und sprengen. Die Herausforderung is die Tiefe.
Die technische Herausforderung bei 6.000 Metern
In 6.000 Metern Tiefe is der Wasserdruck rund 600-mal höher als auf Meereshöhe. Die Temperaturen san knapp überm Gefrierpunkt, und jedes Rohrsystem muss Kälte, Druck und starke Meeresströmungen aushalten.
Die Chikyu is eines der wenigen Schiffe weltweit, die für so a Operation gebaut san. Sie nutzt dynamische Positionierungs-Triebwerke, um sich selbst auch bei rauer See fast punktgenau über am ausgewählten Punkt am Meeresboden zu halten.
Von Bord aus senken die Ingenieur:innen a langes Steigrohr („Riser“) bis zum Meeresboden ab. Pumpen sollen dann den Schlamm ansaugen und in einem durchgehenden Strom auf Deck befördern.
Wenn der Schlamm die Rohre verstopft, der Riser einknickt oder der Durchfluss instabil wird, könnt des ganze Konzept vom Tiefsee-Schlamm-Pumpen für Jahre zurückgeworfen werden.
Labors an Bord analysieren das Material fast in Echtzeit. Geolog:innen schauen auf Metallgehalte, Korngrößen und darauf, wie viel Aufwand nötig wär, um die wertvollen Elemente vom Rest zu trennen.
Geld, Zeitpläne und der Meilenstein 2027
Seit 2018 hat Japan rund 40 Milliarden Yen (etwa £220–£250 Millionen) in dieses Tiefsee-Seltene-Erden-Programm gesteckt. Offizielle Stellen haben große öffentliche Versprechen vermieden und keine fixen Ressourcenzahlen veröffentlicht.
Die aktuelle Fahrt dient als Technologie-Check. Politik und Industriepartner wollen Antworten auf ein paar Kernfragen:
- Kann das Riser-System lange Zeiträume ohne Ausfall laufen?
- Bleiben die Durchflussraten hoch genug, damit kommerzielle Projekte realistisch san?
- San die Metallgehalte attraktiv, wenn ma alle Verarbeitungskosten mitrechnet?
Wenn die Mission gut läuft, is für Anfang 2027 a größerer Test im größeren Maßstab vorgesehen. Kommerzielle Produktion – falls’s überhaupt dazu kommt – würd wahrscheinlich erst gegen Ende des Jahrzehnts starten.
Wie das in Japans breitere Seltene-Erden-Strategie passt
Japan arbeitet seit dem Schock von 2010 auf mehreren Ebenen, als a maritimer Streit zu einem kurzfristigen Stopp chinesischer Seltene-Erden-Lieferungen an japanische Firmen geführt hat.
| Bezugsquelle | Ungefährer Anteil (2026) | Wichtige Merkmale |
|---|---|---|
| China | 60–70% | Entscheidend für schwere Seltene Erden; in den letzten Jahren strengere Exportkontrollen |
| Australien | 15–20% | Langfristige Lieferverträge; Verarbeitungskapazitäten mit japanischer Unterstützung |
| Inländisches Recycling | 5–10% | Wachsende Rückgewinnung aus Elektronik und Motoren |
| Strategische Lagerbestände | Nicht öffentlich | Puffer gegen plötzliche Handelsunterbrechungen |
| Unterseeische Lagerstätten (Minamitori u. a.) | 0% vorerst | In Erprobung; potenzielle Produktion nach 2030 |
Tokio hat den australischen Produzenten Lynas unterstützt, Pilotanlagen fürs Recycling finanziert und still und leise Notreserven aufgebaut. Ökonom:innen meinen aber, echte Sicherheit brauche Produktion, die Japan direkter beeinflussen kann – entweder im Inland oder in Gewässern, die Japan kontrolliert.
Die Tiefsee-Schlämme rund um Minamitori liegen innerhalb von Japans ausschließlicher Wirtschaftszone, was Tokio rechtlich und politisch deutlich mehr Kontrolle gibt als bei ausländischen Minen.
Geopolitik am Grund vom Ozean
Diese Mission passiert vor dem Hintergrund wachsender Spannungen um kritische Mineralien. China hat die Exportregeln für mehrere strategische Materialien bereits verschärft – darunter auch Stoffe, die für fortgeschrittene Chips und Magnete gebraucht werden.
Andere Länder, etwa die USA und EU-Mitglieder, suchen neue Lieferanten und fördern Alternativprojekte von Grönland bis Brasilien. Japans Schritt in ultratiefe Gewässer spiegelt die gleiche Sorge wider: dass der Zugang zu diesen Metallen künftig als Druckmittel in Konflikten genutzt werden könnte.
Wenn Japan zeigt, dass Tiefsee-Schlamm-Pumpen funktioniert und verantwortungsvoll gemanagt werden kann, könnt das ähnliche Projekte in anderen ausschließlichen Wirtschaftszonen anstoßen. Das würd Chinas Griff auf die Versorgung langsam schwächen und die Verhandlungsmacht jener Länder verändern, die auf importierte Magnete, Batterien und Hightech-Komponenten angewiesen san.
Umweltfragen, auf die es noch ka klaren Antworten gibt
Während sich die aktuelle Mission vor allem auf Technik und Geologie konzentriert, bleiben Umweltfragen im Hintergrund präsent.
Schlamm aus 6.000 Metern hochzupumpen erzeugt Wolken („Plumes“) aus feinen Partikeln nahe am Meeresboden – und möglicherweise auch höher in der Wassersäule, je nachdem, wo Abwasser eingeleitet wird. Diese Wolken könnten Tiefsee-Organismen beeinflussen, über die die Wissenschaft erst wenig weiß.
Auch Lärm, Licht von Geräten und unbeabsichtigte Lecks von Treibstoff oder Hydraulikflüssigkeit machen Sorgen. Umweltgruppen argumentieren, dass Regeln für Tiefseebergbau mit dem Rennen um kritische Rohstoffe ned Schritt gehalten haben.
Befürworter entgegnen, dass Japans Projekt Schlamm in eigenen Gewässern betrifft und strenger reguliert werden könnte als Einsätze in internationalen Meeresboden-Gebieten.
Derzeit stellen japanische Behörden Minamitori als Forschungs- und Demonstrationszone dar. Langfristige Produktionsentscheidungen werden vermutlich genauso von Umweltverträglichkeitsstudien abhängen wie von Erzgehalten oder Marktpreisen.
Was „seltene Erden“ und „schwere“ Elemente eigentlich bedeuten
Trotz dem Namen liegen Seltene-Erden-Elemente in einer Reihe im Periodensystem – von Lanthan bis Lutetium, wobei Yttrium oft dazugerechnet wird. Chemisch verhalten sie sich ähnlich, was ihre Trennung teuer und energieintensiv macht.
Üblicherweise teilt ma sie in „leichte“ und „schwere“ Seltene Erden. Leichte Seltene Erden – etwa Lanthan, Cer und Neodym – san häufiger und werden in mehreren Ländern abgebaut. Schwere Seltene Erden – darunter Terbium, Dysprosium und Lutetium – san seltener und außerhalb Chinas schwerer zu beschaffen.
Die Schlämme bei Minamitori wirken besonders reich an manchen dieser schweren Elemente. Darum sehen japanische Expert:innen sie als strategische Ressource – selbst wenn sich die Betriebskosten in 6.000 Metern als hoch herausstellen.
Mögliche Zukünfte, wenn das Projekt gelingt – oder stecken bleibt
Wenn die Chikyu-Mission stabile Schlammflüsse und gute Laborergebnisse liefert, könnt Japan in Richtung eigener Produktionssysteme gehen: größere Pump-Schiffe, Offshore-Verarbeitungseinheiten und landseitige Raffinerien, zugeschnitten auf die Chemie vom Meeresboden-Schlamm.
Das würd ned jede Tonne chinesischer Lieferungen ersetzen. Aber es könnt Tokio in Krisen a starke Sicherheitsreserve geben und japanischen Herstellern a heimisches Premium-Material für besonders sensible Anwendungen liefern – etwa Verteidigungssysteme oder hochentwickelte Motoren.
Wenn’s schlecht läuft – wiederholte Geräteausfälle, schlechte Gehalte oder starker öffentlicher Widerstand aus Umweltgründen – wird Japan wahrscheinlich andere Strategien verstärken: mehr Investment ins Recycling, engere Allianzen mit Australien und den USA und stärkerer Fokus darauf, durch smarteres Design weniger seltene Erden pro Gerät zu brauchen.
Für Firmen in Europa oder Nordamerika hat das Ergebnis Folgewirkungen. A funktionierende japanische Tiefsee-Versorgung könnt Preise stabilisieren und neue Magnetfabriken außerhalb Chinas begünstigen. A gescheiterter Test würd das Gefühl verstärken, dass Pekings Position in dieser Nische zumindest für das nächste Jahrzehnt schwer zu knacken bleibt.
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