Derletzt, in einem ruhigen Café, hab i an Mann in seine Siebziger beobachtet, wie er ganz geduldig a Zeitung zamg’faltet hat. Ka Handy am Tisch. Ka Kopfhörer. Nur a Kaffee, tintige Finger und der langsame Rhythmus von jemandem, der lange Tage ohne Bildschirm kennt. Neben ihm hat a Teenager wild auf TikTok g’scrollt, von Video zu Video g’hupft, unruhiger Daumen, aufg’scheuchte Augen. Zwei Epochen, nebeneinander, am selben WLAN – aber net in derselben inneren Welt.
Psychologinnen und Psychologen sagen, dass Menschen, die in den 60ern und 70ern aufg’wachsen san, a bestimmte mentale „Werkzeugkistn“ entwickelt ham, die unser hypervernetztes Zeitalter heut oft nimma so schmiedet.
Manche von den Werkzeugen san erstaunlich kraftvoll.
1. Die stille Stärke, warten zu können – ohne Antworten
Menschen, die in den 60ern und 70ern aufg’wachsen san, ham mit etwas gelebt, was heut fast unglaublich klingt: net wissen.
Wennst an Anruf verpasst hast, hast einfach g’wartet. Wennst in wen verknallt warst, hast vielleicht tagelang nix g’hört. Ka Sofort-Antwort, ka drei Pünktln am Bildschirm. Diese tägliche Erfahrung hat a Art psychologische Geduld trainiert – a Ruhe im Umgang mit Unsicherheit, die heutige Generationen seltener üben.
Psycholog*innen nennen das „Distress Tolerance“ – die Fähigkeit, auszuhalten, dass du net kriegst, was du willst, genau jetzt, ohne dassd dran zerbrichst.
Stell da an Teenager 1974 vor: Er bewirbt sich um an Job, schickt den Lebenslauf per Post und dann … nix. Ka Tracking-Link, ka automatisches E-Mail. Vielleicht kommt drei Wochen später a Anruf – vielleicht nie. Das Leben geht weiter.
Dieser Raum des Nicht-Wissens war mühsam, ja – aber er war auch a Fitnessstudio fürs Hirn. Jede unbeantwortete Frage, jede verspätete Reaktion hat den Muskel g’stärkt: „Schau ma, was passiert.“ Heut hacken Push-Nachrichten und Instant-Messaging genau diesen Muskel – und er verkümmert leise. Unsere Toleranz für Mehrdeutigkeit schrumpft, und mit ihr die Nerven.
Psychologisch g’sehen baut wiederholte Konfrontation mit Unsicherheit – ohne sofortige Fluchtwege – emotionale Widerstandskraft auf. Das Gehirn lernt: Unangenehm is net gleich gefährlich. Leute aus diesen Jahrzehnten ham oft a tieferes Grundvertrauen, dass „sich’s irgendwie ausgeht“, weil sie so viele Situationen erlebt ham, wo Zeit – und net hektische Aktion – das Problem gelöst hat.
Das heißt net, dass sie nie ängstlich waren. Es heißt, sie ham geübt, mit dieser Angst zu leben, ohne sie alle drei Minuten mit am Screen zu betäuben. Sie ham entdeckt, dass a Frage offen bleiben kann, ohne dass es di umbringt.
2. Mit dem auskommen, was ma hat (und es wirklich mögen)
Wennst mit wem red’st, der in den 60ern oder 70ern aufg’wachsen is, hörst bald Sätze wie: „Ma hat nix wegg’schmissen“, oder „Ma hat’s mit Klebeband und Draht repariert.“ Diese Generation hat a mentale Stärke entwickelt, die Psycholog*innen „Ressourcenorientierung“ bzw. Einfallsreichtum nennen: die Fähigkeit, sich kreativ anzupassen, wenn Ressourcen begrenzt san.
Ka Lieferung am selben Tag. Ka endloser Katalog an Ersatz. Du hast g’nommen, was du g’habt hast. Alte Gläser san zu Stiftebechern worden. A kaputtes Radio is zum Ersatzteilspender g’worden. Das hat net nur Geld g’spart – es hat das Gehirn drauf programmiert, nach Lösungen zu suchen, net nach neuen Produkten.
Stell da a Familie 1971 vor. Der Fernseher geht am Freitagabend ein. Statt sofort an neuen zu kaufen, schraubt der Vater hinten auf und bastelt an den Röhren. Die Kinder holen Brettspiele raus. Wer fängt zum Erzählen an.
Aus psychologischer Sicht is dieser Abend net nur „screen-free time“. Es is a Übung in gemeinsamer Problemlösung und anpassungsfähigem Coping. Sie hatten net die Option, Langeweile wegzuscrollen – also ham’s a tiefere Flexibilität entwickelt: „Wenn Plan A stirbt, erfinden ma Plan B.“ Über die Jahre wird so a Denkweise zu am stabilen Charakterzug.
Studien zu Knappheit und Kreativität zeigen, dass Einschränkungen oft originelles Denken fördern. Wennst ka Lösung kaufen kannst, fangt dein Gehirn an, Ideen anders zu verknüpfen. Menschen aus diesen Jahrzehnten sind täglich auf kleine Hürden g’stoßen, die ma net an a App oder an Algorithmus auslagern hat können.
Dieses wiederholte Training schmiedet a besondere mentale Spur: statt „I kann net“ wird der Standard: „Was kann i mit dem machen, was da is?“ In ana Welt, die auf Upgrades fixiert is, is so a innere Fülle selten – und still radikal.
3. Konflikte aushalten – ohne Ghosting
Das Leben in den 60ern und 70ern war alles andere als weich. Du hast den Zorn vom Vater net muten können und den Chef net mit einem Tipp blockieren. Wennst g’stritten hast, hast di am nächsten Tag trotzdem g’sehen: in der Schule, in der Arbeit, auf der Gassn.
Diese ständige Nähe hat zu etwas gezwungen, was unser digitales Zeitalter oft vermeidet: lernen, in Beziehung zu bleiben, auch wenn’s spannig is. Das is an sich a mentale Stärke – die Fähigkeit, Unbehagen auszuhalten, ohne gleich beim ersten Krach die Verbindung zu kappen.
A einfache Szene: Zwei Nachbarn streiten 1976 wegen ana lauten Party. Stimmen werden lauter, G’sichter rot. Aber beide wissen: Sie parken weiter nebeneinander, teilen a Mauer, laufen si übern Weg.
Also kühlen’s ab, reden wieder, finden an Kompromiss. Psycholog*innen nennen das „relational repair“ – Beziehung wieder herstellen nach am Riss. Ohne den Notausgang, hinter am Screen zu verschwinden, ham Menschen damals diesen Reparaturmechanismus dauernd geübt, oft ohne Namen dafür. Mit der Zeit trainiert das Empathie, Verhandlungsg’schick und Emotionsregulation.
Heut enden viele Konflikte mit Blockieren, Entfolgen oder an stillen Auslaufenlassen. Kurzfristig fühlt sich das leichter an. Langfristig schwächt’s unsere Konfliktmuskeln. Die 60er–70er-Generation hat dagegen oft a tiefere Fähigkeit, am Tisch zu bleiben, zuzuhören und’s noch amal zu versuchen.
Sie ham g’lernt: Beziehungen san net Wegwerfware. Ma kann anderer Meinung sein und trotzdem a Leben teilen, a Arbeit, an Feiertagstisch. Eh klar: Niemand macht das jeden Tag perfekt. Aber wer damals aufg’wachsen is, hat diesen Reflex oft fester verankert als die meisten.
4. Mit Langeweile leben – und sie zur Fähigkeit machen
Frag wen, der in den 60ern oder 70ern a Kind war, nach Langeweile, und schau aufs G’sicht. Lange Autofahrten mit Blick ausm Fenster. Sommernachmittage, wo’s nix zu tun gab außer herumstreunen. Fernsehen mit nur wenigen Kanälen – und in der Nacht war Sendeschluss.
Diese Langeweile hat etwas Unbezahlbares trainiert: a inneres Leben. Wenn die Umgebung di net dauernd mit Dopamin-Kicks füttert, fangt der Kopf an, eigene Geschichten, Ideen und Spiele zu erzeugen. Psycholog*innen verbinden das mit mehr Kreativität, besserer Problemlösung und stärkerem Selbstverständnis.
Forschende ham g’funden, dass Kinder mit „unstrukturierter Zeit“ als Erwachsene oft besser Selbstregulation lernen. Viele, die vor der digitalen Flut aufg’wachsen san, erinnern sich an ausg’klügelte Spiele mit Zufallszeug, ans stundenlange Zeichnen oder ans einfache im Gras liegen und Wolken schauen.
Diese Momente wirken banal, aber sie waren mentale Labors. Das Gehirn hat g’lernt, Aufmerksamkeit zu halten, zu imaginieren, gesund abzuschweifen. Etwas, das heut durch ständige Mikro-Stimulation leise erodiert.
Das heißt net, dass früher alles goldig war. Es gab Einsamkeit, Strenge, Schweigen. Trotzdem: Das psychologische Training war real. Viele tragen – oft unbewusst – die Fähigkeit in sich, bei ihren Gedanken zu bleiben, ohne Panik zu kriegen oder sofort nach Ablenkung zu greifen.
In der Therapie is genau das etwas, was viele jüngere Erwachsene heut wieder lernen müssen: bei an Gefühl, an Gedanken, an Erinnerung bleiben, ohne gleich davonzulaufen. Für die, die in den 60ern und 70ern aufg’wachsen san, ist diese innere Ausdauer oft natürlicher kommen – geschmiedet an einem langsamen Nachmittag nach dem anderen.
5. Grenzen akzeptieren – und net der Mittelpunkt vom Universum sein
Eine der unglamourösesten, aber stärksten Eigenschaften dieser Generation is ihr Verhältnis zu Grenzen. Eltern waren oft strenger. Schulen weniger entgegenkommend. Du hast oft „Nein“ g’hört. Du hast net immer „deiner Leidenschaft folgen“ können; oft bist der Notwendigkeit gefolgt.
Psychologisch kann das verletzen – aber es bringt auch Struktur. Viele ham g’lernt, Frust auszuhalten, Belohnungen aufzuschieben, Dinge zu tun, auf die sie grad kan Bock g’habt ham. Das is das Rückgrat von jedem nachhaltigen Erwachsenenleben.
Moderne Psychologie red’t viel über „Grit“ und Selbstdisziplin. Wer in den 60ern und 70ern aufg’wachsen is, hat das oft net als Buzzwords g’lernt, sondern als Alltag. Hausübung vor dem Fernsehen. Pflichten vor dem Spaß. Auf jüngere G’schwister schauen – net als Option, sondern als Erwartung.
Diese Wiederholung hat die Idee g’formt: Du bist Teil von etwas Größerem – Familie, Nachbarschaft, Betrieb. Deine Wünsche zählen, aber sie san net das Einzige, was zählt. In ana Kultur, die heut dauernd Selbstfokus pusht, wird dieses Gleichgewicht zwischen Ich und Wir rar – und extrem stabilisierend.
Das heißt net, dass alles an der damaligen Erziehung gesund war. Viele verlernen bis heut harte Muster. Aber unter der Strenge liegt a mentale Grundlage, die manche Psychologinnen jetzt wieder mit Patientinnen aufbauen: die Fähigkeit, sich festzulegen, dranzubleiben, in der Realität zu stehen statt endlosen Optionen nachzujagen.
Wie mir eine Therapeutin neulich g’sagt hat: „Net jede Tür soll für immer offen bleiben – und genau das macht Entscheidungen bedeutungsvoll.“ Wer mit weniger Auswahl aufg’wachsen is, weiß das manchmal bis in die Knochen.
Wie du dich heut mit diesen 9 seltenen Stärken wieder verbinden kannst
Das Schöne an der Psychologie is: Keine von diesen Stärken is nur für a bestimmte Generation reserviert. Ma kann’s trainieren, egal welches Alter. Fang klein an, fast unauffällig.
Wart fünf Minuten, bevorst auf a nicht dringende Nachricht antwortest. Lass a Frage über Nacht liegen, statt sie sofort zu googeln. Reparier was, statt’s zu ersetzen. Das san kleine Akte von Rebellion gegen die Nervosität unserer Zeit – und sie bauen langsam jene mentalen Fasern wieder auf, die ältere Generationen oft natürlicher mitbringen.
Hilfreich is auch, mit Menschen zu reden, die die 60er und 70er erlebt ham – net aus Nostalgie, sondern wegen Gewohnheiten. Frag sie, wie sie Langeweile, Konflikte, Warten g’handhabt ham. Viele zucken mit den Schultern und sagen: „Ma hat’s halt g’macht“ – aber hör genau hin zwischen den Zeilen.
Du wirst Routinen hören, kleine Rituale, Formen von Geduld und Zusammenhalt, die ma ins heutige Leben übersetzen kann. Der Fehler wär, die Vergangenheit zu idealisieren oder die Gegenwart zu verurteilen. A sanfterer Weg is möglich: das, was gestern funktioniert hat, ausborgen, um die Angst von heut zu beruhigen – ohne so zu tun, als wär a Zeit perfekt g’wesen.
Manchmal is das modernste Mental-Health-Werkzeug etwas, was deine Oma eh schon gmacht hat – ohne drüber zu reden.
- Begrenz täglich Mikro-Ablenkungen für kurze Fenster (10–20 Minuten ohne Handy)
- Üb „Reparatur-Gspräche“ nach Konflikten statt stillem Rückzug
- Such dir jeden Monat eine Sache zum Reparieren statt Ersetzen
- Plan bewusst Inseln von Langeweile ein: Spaziergänge ohne Podcast, Kaffee ohne Bildschirm
- Stell einer älteren Person in deinem Leben a ehrliche Frage: „Wie habt’s ihr das damals mit X g’macht?“
Warum diese „old-school“-Stärken vielleicht wichtiger san denn je
Schau di um: in jeder U-Bahn, in jedem Wartezimmer, auf jeder Couch am Abend. Unsere Köpfe san voll, aber der innere Boden is oft wackelig. Ma springt von Tab zu Tab, von Benachrichtigung zu Benachrichtigung, während ein leiser Teil in uns nach was anderem verlangt: Tiefe, Kontinuität, Beständigkeit.
Psycholog*innen warnen zunehmend, dass chronische Überstimulation die mentale Widerstandskraft anknabbert. Vor dem Hintergrund wirken die unspektakulären Stärken der 60er- und 70er-Kinder weniger wie Nostalgie und mehr wie a Überlebenspaket fürs 21. Jahrhundert.
Diese Stärken san net drum, „härter“ oder „besser“ zu sein als jüngere Generationen. Es geht um anderes Training. Andere Wiederholungen. Andere tägliche Übungen.
Die Frage is net, wer’s richtig g’macht hat, sondern was ma jetzt voneinander lernen können. Ältere können ihre gelebten Werkzeuge teilen. Jüngere bringen Flexibilität, mehr Gefühlssprache und a neue Sensibilität für mentale Gesundheit. Irgendwo dazwischen könnt a ausgewogeneres Leben entstehen – eines, wo ma warten kann ohne Panik, sich langweilen kann ohne Flucht, streiten kann ohne zu verschwinden, und wählen kann ohne im Bedauern zu versinken.
Vielleicht is das die stille Lektion von dem Mann mit der zamg’falteten Zeitung im Café. Ka heroische Pose. Ka große Rede. Nur a Körper, der in einem Moment ruht, der net mit was Besonderem g’füllt is – aber auch net leer.
In ana lauten Welt schaut so a innere Stille langsam aus wie a seltene Superkraft.
| Kernpunkt | Detail | Wert für die Leser*in |
|---|---|---|
| Geduld mit Unsicherheit | Den Kopf trainieren, mit offenen Fragen und verzögerten Antworten zu leben | Verringert Angst und Impulsentscheidungen im Alltag |
| Einfallsreichtum und Grenzen | Mit dem auskommen, was da is, „Nein“ akzeptieren und Plan B erfinden | Baut Selbstvertrauen, Kreativität und langfristige Resilienz auf |
| Beziehungsreparatur und Langeweile | In Beziehungen bleiben nach Konflikten und leere Zeit in inneres Leben verwandeln | Stärkt Bindungen, Kreativität und emotionale Stabilität |
FAQ:
- Frage 1: Was san die 9 mentalen Stärken, die Menschen aus den 60ern und 70ern oft entwickelt ham?
Geduld mit Unsicherheit, Einfallsreichtum, Konflikte reparieren, Langeweile aushalten, Grenzen akzeptieren, Belohnungen aufschieben, Gemeinschaftssinn, praktisches Problemlösen und a geerdeteres Identitätsgefühl.- Frage 2: Is das net einfach nur a Verklärung der Vergangenheit?
Na, diese Jahrzehnte ham auch ernste Probleme g’habt. Es geht net drum, dass „alles besser“ war, sondern dass gewisse Alltagsbedingungen psychologische Fähigkeiten ganz automatisch trainiert ham, die heut seltener san.- Frage 3: Können jüngere Generationen diese Stärken wirklich lernen?
Ja. Das Gehirn bleibt formbar. Wenn ma ähnliche Bedingungen wieder herstellt – weniger Ablenkung, mehr Warten, mehr Reparatur nach Konflikten – können die gleichen mentalen Muskeln in jedem Alter wachsen.- Frage 4: Haben alle Menschen aus den 60ern und 70ern diese Stärken?
Natürlich net. Persönliche Geschichte, Trauma, Familiendynamik und Kultur san wichtig. Es geht um grobe Tendenzen, net um a fixe Regel für jede einzelne Person.- Frage 5: Wie fang i ganz einfach damit an, das heut anzuwenden?
Start mit einer Gewohnheit: a tägliches „No-Screen“-Fenster, a Beziehungsgespräch reparieren, dasd ausweichst, oder bewusst was reparieren statt ersetzen. Kleine, wiederholte Änderungen formen den Kopf über die Zeit.
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