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Mehr Pensionisten arbeiten nach der Pension – warum das zunimmt und was das über die Lebenshaltungskosten aussagt

Älterer Mann in Café mit Schürze serviert Kaffee, während er Dokumente an der Theke durchblättert.

Um 6:45 Uhr in da Früh flackern im Supermarkt die Lichter auf, und da Paul, 72, zieht sei Leuchtweste über an Pullover, der scho mehr Winter gsehn hat als manche von seine Kolleg:innen. Vor fünf Jahr is er in Pension gangen, nach drei Jahrzehnten als Elektriker. Abschiedsfestl, Uhr, Reden – des ganze Programm.

Jetzt schlichtet er im Kühlregal bei de Milchprodukte ein und rechnet im Kopf still jede Extra-Stund mit. No a Frühschicht, des is d’Stromrechnung. Zwoa Samstagnachmittage, des is d’Autoversicherung.

Er schmähführt mit Kund:innen, bewegt si langsam, aber g’radeaus, und tut so, als würd er’s ned merken, wenn ihn wer „Opa“ nennt – mit der Mischung aus Zärtlichkeit und Mitleid.

Er sagt’s ned laut, aber die Wahrheit hängt in der kalten Luft zwischen Joghurt und Käse.

Pension, für viele, is zu an zweiten Vollzeitjob wordn.

Die komische neue Normalität: Pensionist:innen wieder „auf da Uhr“

Gehst durch an großen Markt oder rufst bei an Kundendienst an, siehst es glei: mehr graue Köpfe hinterm Tresen, mehr erfahrene Stimmen am Telefon. Die „Kumulant:innen“ – also die, die gleichzeitig Pension und Gehalt kriegn – san ka seltene Gattung mehr. Sie werden still und leise Teil vom Alltag.

Des is ned bloß a herzige G’schicht über „aktive Senior:innen, die si halt gern beschäftigen“. Es is a Landkarte davon, wie die Teuerung die Bedeutung von Pension verdreht hat.

Des klassische Bild von langen Nickerchen, langsamen Vormittagen und spontanen Ausflügen wird Stück für Stück abgekratzt – von Miete, Lebensmittelpreisen und Gesundheitskosten, denen’s wurscht is, wie viele Kerzerln auf deiner letzten Torte warn.

Fragst ein bissl herum, hörst immer dieselbe G’schicht, nur mit anderen G’sichtern. Maria, 68, putzt drei Abende in da Wochen Büros. Auf’m Papier deckt ihre Pension des Nötigste ab – aber ned des Unerwartete: a kaputte Therme, a Zahnarztrechnung, a Enkerl, des neue Brillen braucht.

Sie hat zuerst versucht, überall zu kürzen. Abos abbestellt, kleiner eingekauft, ka Wochenend-Ausflüge mehr. Irgendwann is einfach nix mehr zum Abschneiden übrigblieben. Also is sie zum AMS gangen, a bissl peinlich berührt mit der Mappe in der Hand, umgeben von Leuten im Alter ihrer Kinder.

Da Recruiter hat kaum geblinzelt. „Wir kriegn jetzt massig Pensionist:innen“, hat er g’sagt. „Ihre Erfahrung is wertvoll.“ Maria hat zwischen den Zeilen was anderes g’hört: Deine Not is nix Ungewöhnliches.

Hinter diesen persönlichen G’schichten steckt a ganz einfache Rechnung: Des Leben wird teurer, die Leut leben länger, und Pensionen reichen nimma so weit wie früher. Jede Mieterhöhung, jeder Preissprung beim Einkaufen schiebt wieder wen Richtung „noch amal arbeiten“.

Gleichzeitig fehlt in manchen Branchen Personal. Handel, Kinderbetreuung, Transport, saisonaler Tourismus – die nehmen gern verlässliche Leut, die ned unbedingt an Karrierepfad fordern, sondern regelmäßige Stunden und Respekt.

Also sperrt der Arbeitsmarkt den Senior:innen die Arme auf – aber ned immer mit guten Verträgen oder fairer Bezahlung. Das Ergebnis is a stille, wachsende Armee älterer Arbeitskräfte, die Lücken stopft, die genauso viel über unsere Wirtschaft aussagen wie über ihre Zähigkeit.

Wie Senior:innen Pension und Gehalt wirklich unter an Hut bringen

Für die, die „kumulieren“, is der erste echte Schritt oft brutal bodenständig: am Küchentisch sitzen und rechnen. Ka großer Finanzplan – nur die simple Frage: Wieviel fehlt jeden Monat, damit ma a bissl leichter atmen kann?

Manche nehmen ein paar Stunden in der Wochen, andere gehen fast wieder Richtung Vollzeit. G’scheit is meistens: klein anfangen. A paar Tage im G’schäft, a kurzer Lehrauftrag, ein paar fixe Schichten als Fahrer:in oder Betreuer:in. So kann der Körper und da Kopf testen, wie’s geht.

Pensionist:innen, die des gut hinkriegn, behandeln den neuen Job oft wie a Werkzeug, ned wie a Identität. A Möglichkeit, das zu zahlen, was die Pension ned abdeckt – kein großes Comeback.

Die Falle, in die viele tappen, is emotional, ned finanziell. Nach a Leben voller Arbeit fühlt si a „Ja“ auf einmal eigenartig schmeichelhaft an. Die Chefin is dankbar, Kolleg:innen san nett, und des Geld am Monatsende beruhigt. Also nimmt ma „nur no“ a Schicht – und dann no eine – und plötzlich is jeder freie Dienstag weg.

Wir kennen’s alle: der Moment, wo „Nein“ sagen schwerer is als „Ja“. Bei Senior:innen versteckt si hinter dem „Ja“ manchmal Angst: Angst, die Unabhängigkeit zu verlieren, zur Belastung zu werden, zuzuschauen, wie die Ersparnisse dahinschmelzen wie Schnee.

Seien ma ehrlich: Niemand rechnet jeden Tag wirklich seine Work-Life-Balance neu. Viele halten durch, bis die Müdigkeit lauter wird als die Rechnungen.

Dazu kommt die unsichtbare Belastung. Mit 70 steckt ma lange Stunden am Bein nimmer so weg wie mit 40. Nachtschichten hauen stärker rein. Lärm, Stress, Pendeln – jedes Detail zählt doppelt. Drum san ehrliche Gespräche daheim oft wichtiger als jede Tabelle.

Manche setzen klare Grenzen: ka Nächte, ka schwere Lasten, maximal drei Tage pro Woche. Andere verhandeln Flexibilität: saisonal im Sommer, Nachhilfe im Schuljahr, kurze Verträge statt endloser.

„Die Leut glauben, wir arbeiten, weil uns fad is“, sagt Alain, 69, der Flughafen-Shuttles fährt. „I arbeit, weil meine Miete um 180 Euro raufgangen is. Fad sein kann i managen. Miete ned.“

  • Such dir Aufgaben, die zu deiner Gesundheit passen – ned zu deinem früheren Titel
  • Halt dir mindestens ein bis zwoa Tage pro Woche wirklich frei
  • Schreib dein Einkommensziel auf und hör auf, wenn du’s erreicht hast
  • Red offen mit der Familie über Müdigkeit – ned nur über Geld
  • Frag vor’m Unterschreiben nach Pausen, Dienstplan und Versicherung

Was dieses stille Comeback über unsere Gesellschaft aussagt

Hinter jeder Seniorin an der Kassa und jedem Senior am Lenkrad steckt a größere, unangenehme Frage: Was heißt das, wenn Jahrzehnte Arbeit dir ka ruhiges Alter mehr kaufen. Der Anstieg der „Kumulant:innen“ is ned bloß a Lifestyle-Trend, sondern a wirtschaftliches Fieberthermometer.

Wenn a Generation, der ma Ruhe nach 65 versprochen hat, sich wieder in Arbeitssysteme einloggt und Zeiterfassung stempelt, is irgendwas Grundsätzliches aus’m Takt. Löhne, die mit den Wohnkosten ned mitkumman, Pensionen, die auf Karrieren mit viel Teilzeit basieren, Ersparnisse, die durch Gesundheitsausgaben aufgefressen werden – die Gründe san unterschiedlich, aber sie zeigen alle in dieselbe Richtung.

Des heißt ned, dass jede:r Pensionist:in, der oder die arbeitet, dazu gezwungen is. Manche mögen’s wirklich, aktiv zu bleiben, si nützlich zu fühlen, Kolleg:innen zu sehen. Aber die Grenze zwischen Wahl und Notwendigkeit kann sehr dünn sein – und man sieht’s erst richtig, wenn ma auf die Rechnungen am Tisch schaut.

Kernaussage Detail Nutzen für dich
Steigende Zahl an „Kumulant:innen“ Mehr Pensionist:innen kombinieren Pension mit Jobs im Handel, in Services und in da Betreuung Hilft dir, deine Situation als Teil von an größeren Wandel zu sehen – ned als persönliches Versagen
Teuerung vs. fixes Einkommen Miete, Essen und Gesundheit steigen schneller als viele Pensionen Erklärt, warum’s Budget trotz voller Berufsjahre enger wird
Strategien, ohne auszubrennen Stunden begrenzen, passende Rollen wählen, klare finanzielle Ziele setzen Gibt praktische Wege, wie du die Gesundheit schützt und trotzdem das Einkommen aufbesserst

FAQ

  • Kann i nach da Pension weiterarbeiten, ohne dass i meine Pension verlier? In vielen Ländern geht das, aber die Regeln san unterschiedlich: manchmal gibt’s a Höchstgrenze fürs Dazuzuverdienen, oder spezielle Bedingungen, wenn ma früh in Pension gangen is. Unbedingt vor Vertragsabschluss bei der Pensionskassa oder bei einer öffentlichen Auskunftsstelle nachfragen.
  • Welche Jobs machen Pensionist:innen am häufigsten? Teilzeit im Handel, Schulassistenz, Kinderbetreuung, Fahrdienste (Taxi, Shuttle, Zustellung), Empfang, saisonaler Tourismus und kleinere Verwaltungsjobs – sowie freiberufliche Beratung im alten Berufsfeld.
  • Is Arbeiten in da Pension schlecht für die Gesundheit? Kann es sein, wenn’s zu körperlich, zu stressig oder zu lang is. Umgekehrt kann leichte, soziale, flexible Arbeit der Psyche und dem Alltag gut tun. Entscheidend is: den Job ans Alter anpassen – ned umgekehrt.
  • Wie viele Stunden pro Woche arbeiten Senior:innen typischerweise? Es gibt ka einheitliches Muster, aber viele peilen 8–20 Stunden pro Woche an. Genug zum Aufbessern und Mit-dabei-sein, aber ned so viel, dass die Müdigkeit den Alltag übernimmt.
  • Wie kann i mit meiner Familie drüber reden, ohne Scham? Bleib bei Fakten statt Schuldgefühlen: zeig das Budget, erklär, was fehlt, und sag klar, welche Art von Arbeit und welchen Dienstplan du akzeptieren würdest. Zahlen offen am Tisch zu haben nimmt oft den Druck raus und schafft Platz für Unterstützung oder neue Ideen.

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