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Mit sich selbst zu reden, wenn man allein ist, kann laut Psychologie ein Zeichen für besondere Fähigkeiten sein.

Mann am Tisch, schreibt in Notizbuch, Schachbrett und dampfende Tasse Tee daneben, moderne Wohnzimmerkulisse.

Du sperrst die Wohnungstür auf, wirfst deine Schlüssel auf den Tisch und … fangst zum Reden an.

„Passt, was brauch ma zuerst? Wäsche. Na, Kaffee. Fix Kaffee.“

Da is niemand. Keine Kamera, kein Mikro, kein Podcast-Publikum. Nur du, wie du von Zimmer zu Zimmer gehst, vor dich hinmurmelst, mit deinen eigenen Gedanken diskutierst und manchmal sogar über deinen eigenen Schmäh lachst.

Und dann, später, schleicht sich dieser winzige Zweifel ein: „Is das … normal?“

Psycholog:innen stellen sich seit Jahren genau die gleiche Frage. Und ihre Antwort is auf eine ruhige Art ziemlich faszinierend.

Wenn Selbstgespräche heißen, dass dein Hirn auf einem höheren Level arbeitet

Verbring einmal einen Tag damit, wirklich drauf zu achten, und du wirst’s überall sehen.

Die Frau im Supermarkt, die wiederholt: „Eier, Milch, Waschmittel, net das Waschmittel vergessen.“ Der Student auf der Bank, der sich die Antwort zuflüstert, bevor er die Hand hebt. Der Läufer um 6 in der Früh, der murmelt: „Nur noch ein Kilometer, komm schon.“

Die meisten wirken dabei überhaupt net „verrückt“. Sie wirken konzentriert. Eingestimmt. Fast so, als würd das, was in einem sehr beschäftigten Kopf passiert, ein bissl nach außen durchsickern.

Psycholog:innen haben dafür tatsächlich einen Begriff: selbstgerichtete Sprache. Und sie haben herausgefunden, dass sie eng mit anspruchsvollen mentalen Fähigkeiten zusammenhängt.

Nimm ein bekanntes Experiment von der University of Wisconsin. Die Teilnehmer:innen sollten in einem unordentlichen Bild ein bestimmtes Objekt finden.

Die Hälfte musste still sein. Die andere Hälfte sollte beim Suchen den Namen vom Objekt laut wiederholen: „Banane, Banane, Banane“. Das Ergebnis? Die, die mit sich geredet haben, haben das Objekt schneller und genauer entdeckt.

Dieses leise Flüstern hat net nur die Stille gefüllt. Es hat die Wahrnehmung geschärft – wie wenn man der Realität ein Etikett aufklebt, damit das Hirn effizienter scannen kann.

Am Papier wirkt’s wie ein winziges Detail. Im Kopf ändert’s alles.

Psycholog:innen nennen diese Sprachfunktion „Gedanken nach außen holen“ (externalizing thought). Statt dass deine Ideen unsichtbar im Kreis herumschwirren, nagelst du sie mit Worten fest – wie Notizen an einer Pinnwand.

Kinder machen das dauernd. Sie reden sich durch Puzzles, Lego, Schuhbänder binden. Wenn sie größer werden, wird diese äußere Stimme langsam zu einer inneren. Manche Erwachsene behalten mehr von dieser äußeren Stimme bei.

Forschung hat häufige, strukturierte Selbstgespräche mit besserem Arbeitsgedächtnis, stärkerem Problemlösen und besserer Emotionsregulation in Verbindung gebracht.

Auf gut Deutsch: Wenn du oft mit dir selber redest, wenn du allein bist, is die Chance groß, dass du dein Hirn wie ein Hochleistungswerkzeug verwendest – und net wie einen passiven Radioreceiver.

Wie du Selbstgespräche zu einer versteckten Super-Fähigkeit machst

Es gibt eine simple Umstellung, die alles verändert: Red mit dir wie ein Coach, net wie ein Richter.

Viele Top-Performer machen das eh instinktiv. Vor einem schwierigen Meeting sagen sie: „Okay, das is der Plan. Zuerst hörst zu. Dann stellst genau die eine Schlüsselfrage. Dann fasst zusammen.“ Laut. Langsam.

Diese Art von Selbstgespräch baut ein Mini-Drehbuch, dem dein Hirn folgen kann. Es gibt Struktur im Chaos – und Struktur reduziert Stress.

Ein kleiner Trick: Wechsel in die zweite Person. „Du schaffst das. Du packst diese Präsentation“ is seltsam viel stärker als „Ich schaff das“. Es klingt, als wär ein unterstützender Freund in den Raum gekommen.

Die meisten machen das Gegenteil. Sie merken Selbstgespräche erst, wenn der Ton brutal wird.

„Du bist lächerlich.“ „Du versaust das immer.“ „Warum hast das gesagt?“

Diese Stimme macht dich fertig. Sie kapert deinen Fokus. Und sie kann langsam eine Angst-Rille in dein Hirn reinschneiden. Wir kennen das alle – der Moment, wo du ein Gespräch zwei Stunden lang replayst, statt zu schlafen.

Das Ziel is net, dass du aufhörst, mit dir zu reden. Das Ziel is, den Sender einzustellen. Lass den Kommentar – aber ändere das Skript. Gib deinem inneren Monolog den Job als Navigator, net als Henker.

Der Psychologe Ethan Kross, der auf innere Dialoge spezialisiert ist, bringt’s einfach auf den Punkt: „Wie wir mit uns selbst reden, kann entweder unsere größte Ressource oder unser schlimmster Feind sein.“

Wenn sich dein Kopf wie ein überfüllter Raum anfühlt, probier, deine Selbstgespräche in klare Kategorien zu „packen“:

  • Planungs-Talk – „Zuerst mach i X, dann kümmer i mi um Y.“
  • Anweisungs-Talk – „Langsam reden, atmen, die Leute anschauen.“
  • Support-Talk – „Du bist nervös, das is normal, du hast das schon mal gemacht.“
  • Reality-Check-Talk – „Das is unangenehm, aber net gefährlich.“
  • Nachbesprechungs-Talk – „Was hat funktioniert? Was kannst nächstes Mal anders probieren?“

Seien wir ehrlich: Niemand macht das wirklich jeden einzelnen Tag.

Aber selbst wenn du’s in einer angespannten Woche nur einmal probierst, kann dieses ständige Murmeln zu einem ziemlich kompetenten Verbündeten werden.

„Mit sich selber reden“ neu denken – als leises Zeichen von Besonderheit

Schau dir Menschen genau an, die Dinge schaffen, die wir bewundern. Autor:innen, die in der Küche auf und ab gehen. Schauspieler:innen, die allein Texte proben. Unternehmer:innen, die Pitches vorm Spiegel üben. Sie alle machen etwas, das man auf Social Media selten sieht: Sie reden mit sich selbst.

Net immer glamourös. Manchmal im Jogger, mit zerzausten Haaren, um 1:27 in der Nacht. Aber genau dort werden komplexe Ideen getestet, Gefühle sortiert und Mut „einprobt“, bevor er in der Öffentlichkeit auftaucht.

Vielleicht is das echte Zeichen von außergewöhnlicher Fähigkeit net ein perfekt ruhiger Kopf, sondern ein Kopf, der weiß, wie er sein eigenes Rauschen nutzen kann.

Kernaussage Detail Nutzen für dich
Selbstgespräche steigern den Fokus Ziele oder Objekte laut zu wiederholen lenkt Aufmerksamkeit wie ein Scheinwerfer Schnellere Entscheidungen, weniger mentale Überlastung an vollen Tagen
Worte ordnen Chaos Gedanken nach außen holen macht aus vagen Sorgen konkrete Schritte Weniger Angst, mehr Klarheit bei Problemen
Der Ton formt Leistung Unterstützender „Coach“-Talk hängt mit mehr Resilienz zusammen Praktischer Weg, sich stärker zu fühlen – ohne das ganze Leben sofort umzukrempeln

FAQ:

  • Is mit sich selber reden ein Zeichen für eine psychische Erkrankung? Net von sich aus. Viele psychisch gesunde Menschen reden regelmäßig mit sich. Psycholog:innen sehen’s als normale – und oft nützliche – Denkgewohnheit, außer es kommt mit starkem Leidensdruck, Verwirrung oder Realitätsverlust daher.
  • Zählt das auch, wenn i nur im Kopf mit mir red? Ja. Innere Sprache is der gleiche Prozess, nur nach innen gedreht. Laut reden kann bei manchen Aufgaben den Fokus verstärken, aber stilles Selbstgespräch kann genauso stark sein – fürs Planen, Motivieren und für Emotionsregulation.
  • Was, wenn meine Selbstgespräche meistens negativ sind? Das is sehr häufig. Fang damit an, die Sätze zu bemerken, die du dauernd wiederholst, und stell sie dann sanft infrage. Du kannst jeden Tag nur einen einzigen Satz umschreiben – konkreter, fairer und hilfreicher statt pauschal und hart.
  • Kann i Selbstgespräche nutzen, um Angst zu managen? Ja, viele therapeutische Ansätze nutzen das. Zu beschreiben, was du fühlst, die Angst zu benennen und dich an das zu erinnern, was gerade wirklich im Moment passiert, kann die emotionale Intensität senken.
  • Is es komisch, wenn i die Lippen beweg oder mir selber antworte? Eigentlich net. Manche Menschen denken besser mit ein bissl Sound oder Bewegung. Solang’s dich net isoliert oder Leid erzeugt, is es einfach noch eine Art, wie dein Hirn mit Komplexität umgeht.

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