Was als routinierte Metallsuche auf an gepflügten Feld bei Åndalsnes ang’fangt hat, is mit an kleinen Bronzefigur in da Hand von am Mann z’End gangen - und mit an ganzen Schwung an Telefonaten zu Archäolog*innen, de jetzt glauben, dass da Fundort an Teil von Norwegens mittelalterlicher G’schicht neu schreiben könnt.
A langer Tag am Feld, der si in da letzten Minut no g’ändert hat
Am Rand von Åndalsnes in Westnorwegen woa da Hobby-Sondengeher Kim Erik Fylling Dybvik scho kurz davor z’samm’packen. Des Feld woa scho stundenlang abg’sucht, des Liacht is schwächer worn, und de bisherigen Funde warn eher unspektakulär.
Dann hat sei Gerät a klares, hartnäckiges Signal gebn - nur a paar Zentimeter unter da frisch umg’drehten Erd’. In da Erwartung, dass des wieda nur a Stück modernes Metall is, hat er g’schwind gråbn. Stattdessen hot si in da dunklen Erd’ a schlanke Silhouette abzeichnet.
In seiner Hand lag a 15 Zentimeter hohe Jesusfigur aus Bronze, mit offenen Armen - G’sicht und Oberkörper ham no mit Spuren von mittelalterlicher Vergoldung g’glänzt.
Dybvik, der seit über an Jahrzehnt über norwegische Äcker geht, um historische Objekte zu finden, hat sofort kapiert, dass des wås Ausg’wöhnliches is. De Figur woa intakt. Ka abg’brochene Glieder. Ka z’drückter Kopf. Nur a sanfte Abnutzung und a schwacher goldener Schimmer, der im schrägen Herbstliacht aufg’blitzt hat.
A mittelalterlicher Jesus in ana „guat bekannten“ Gegend
Auf’n ersten Blick wirkt de Landschaft rund um Åndalsnes unspektakulär: a bewirtschaftets Feld, a vertrautes Tal, moderne Maschinen in da Nähe. Und trotzdem deutet de kleine Statue drauf hin, dass dieser scheinbar gewöhnliche Boden früher a tiefe religiöse Bedeutung g’habt hat.
Da lokale Experte Bjørn Ringstad, a ehemaliger Regional-Kurator, schätzt, dass des Stück aus’m 12. oder frühn 13. Jahrhundert stammt. Damit liegt’s im Hochmittelalter, in ana Zeit, wo’s Christentum in Skandinavien fest verwurzelt woa, aber no mit älteren Traditionen z’samm’g’mischt hat.
Des Zeitfenster is wichtig: Es woa a Ära vom Kirchenbauen, reisenden Geistlichen und wechselnden politischen Bündnissen. Religiöse Objekte san über weite Strecken unterwegs g’wesen - mit Händler*innen, Priester und Pilger entlang da Küste und durch de Fjorde.
De Statue verbindet a modernes, bewirtschaftets Feld mit am Moment, wo Westnorwegen in größere europäische religiöse und künstlerische Netzwerke eingebunden woa.
Ka Einzelfund
De Jesusfigur is ned des einzige Objekt, des aus dem Feld auftaucht is. Nur a paar Tog davor ham Sondengeher am gleichen Grund a Brosche aus da Wikingerzeit g’funden. Am Nachmittag vom Statuenfund san außerdem mehrere Silbermünzen und mindestens sieben Metallknöpfe auftaucht.
- A Wikingerbrosche, die auf Aktivitäten in de Jahrhunderte vor da Christianisierung hindeutet
- Silbermünzen, de auf Handel oder regelmäßige Bewegungen von Leit’ hinweisen
- Knöpfe und kleine Beschläge, de auf G’wand, Treffen oder wiederholte Besuche schließen lassen
Für Archäolog*innen erzählt diese Streuung an Funden a G’schicht von Kontinuität: Leit’ ham den Platz in da Wikingerzeit g’nutzt, san im Mittelalter immer wieda z’rückkemma und ham nebn Alltagsresten a sakrale Objekte hinterlassen.
Vom gatschigen Feld ins Uni-Labor
Wia Dybvik g’merkt hat, wås er da ausg’gråbn hat, hat er des g’macht, wozu erfahrene Sondengeher in Norwegen dringend angehalten werden: Er hat de Behörden informiert und den Fund abg’geben.
De Statue is z’erst nach Molde, ins nächste regionale Zentrum, bracht worn und dann weiter an die Abteilung fürs Kulturerbe an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technik (NTNU) in Trondheim.
Restaurator*innen werden de Legierung, de Vergoldungstechnik und alle mikroskopischen Spuren von Farb oder Stoff untersuchen, de vielleicht no an da Oberfläche hängen.
Solche technischen Details können zentrale Fragen beantworten. A hoher Zinnanteil könnt zum Beispiel auf bestimmte mittelalterliche Werkstätten hindeuten. Bestimmte Vergoldungsverfahren könnten zeigen, ob des Stück eher englischen, deutschen oder lokalen skandinavischen Vorbildern folgt.
Wofür woa de Statue verwendet?
D’Forschung wägt mehrere Möglichkeiten ab, wofür’s ursprünglich g’dient haben könnt:
- Teil von am Prozessionskreuz, des bei religiösen Zeremonien mitg’tragen worn is
- A Figur, die an an tragbaren Altar befestigt woa, den reisende Priester verwendet ham
- A persönlicher Andachtsgegenstand, im Besitz von am wohlhabenden Geistlichen oder Grundbesitzer
Größe, Detailgrad und de Hinweise auf feine Vergoldung sprechen dafür, dass des ka billigs G’stangerl woa. De offenen Arme und de frontale Haltung passen zu gängigen mittelalterlichen Christusdarstellungen, die so gestaltet warn, dass ma’s guat sieht - vor ana kleinen Gruppe oder für an einzelnen Beter vor’m Altar.
A Feld, des vielleicht a verlorene Kirche verbirgt
Da Fundort wirft no mehr Fragen auf. Historische Quellen erwähnen in da Gegend an alten religiösen Platz, aber sichtbare Reste san längst unter Landwirtschaft und moderner Entwicklung verschwunden.
Mit mehrere bestätigten mittelalterlichen und frühen Funden überlegen de lokalen Stellen jetzt a vollständige geophysikalische Untersuchung vom Feld. Bodenradar (oft „Georadar“ g’nannt) kann vergrabene Mauern, Gräben und Fundamente erfassen, ohne den Boden aufzureißen.
| Methode | Was sie sichtbar machen kann |
|---|---|
| Bodenradar (Ground-penetrating radar) | Versteckte Stein-Fundamente, Gräber, Gräben |
| Magnetometrie | Brandzonen, Feuerstellen, Bereiche mit Metallbearbeitung |
| Drohnen-basiertes Mapping | Feine Senken an da Oberfläche oder leicht erhöhte Plattformen |
Wenn am Scan a rechteckiges Fundament oder a apsidenförmiges Ende auftaucht, war des a starker Hinweis auf a Kirche. A Gruppe von Gräbern in Ost–West-Ausrichtung würd des Argument für an sakralen Ort zusätzlich stärken - statt nur für an einfachen Hof.
Wos heut wia a „normales“ Feld ausschaut, könnt direkt über an vergessenen mittelalterlichen Pfarrzentrum liegen.
D’Ethik und d’Risiken vom Sondengehen
Dybvik betont, dass er ka Interesse dran hat, wos er findet z’verkaufen. Für ihn liegt da Wert drin, Objekte z’retten, bevor immer größere Maschinen’s zerstören. Des passt zu skandinavischen Denkmalschutzgesetzen, die bedeutende Funde in da Regel melde- und abgabepflichtig machen.
Aber ned alle Sondengeher verhalten si so. Ned g’meldete Funde und illegales Gråbn können an Ort seines Kontexts berauben - und damit wird’s für Archäolog*innen viel schwerer, zu rekonstruieren, wos dort wirklich passiert is. A Statue allein is eindrucksvoll; a Statue in an dokumentierten Schicht, umgeben von anderen Objekten, wird zu belastbarem historischen Beleg.
Verantwortungsvolle Sondengeher halten si meistens an a paar Grundregeln:
- Vorher d’Erlaubnis vom Grundeigentümer einholen
- Exakte Fundpunkte mit GPS oder Handy-Apps dokumentieren
- Aufhören zu graben, wenn strukturelle Reste wie Steinmauern auftauchen
- Nach am größeren Fund rasch lokale Museen oder Denkmalstellen kontaktieren
Wia a 15-Zentimeter-Statue a Landkartn verändern kann
Hinter de Schlagzeilen über an „Bauern, der Jesus am Feld sieht“ steckt a leisere, technische G’schicht: wie einzelne Objekte archäologische Karten verschieben können.
Norwegische Mittelalterforschung stützt si auf a Mischung aus Schriftquellen, stehenden Kirchen und verstreuten Artefakten. Viele Täler und Küstenabschnitte san no immer schlecht dokumentiert. A hochwertiger religiöser Gegenstand wia diese Statue kann wia a Stecknadel auf da Landkartn wirken - und andeuten, dass Priester, Prozessionen und vielleicht lokale Wallfahrten genau hier vorbei gangen san.
Wenn spätere Ausgrabungen a Kirche oder Kapelle bestätigen, hätt des Folgewirkungen dafür, wia Historiker*innen Siedlungsmuster, Grundbesitz und religiösen Einfluss entlang vom Fjord im 12. und 13. Jahrhundert verstehen.
Wos „vergoldete Bronze“ eigentlich heißt
Für Nicht-Fachleut klingt „vergoldete Bronze“ leicht abstrakt. In da Praxis hätt a mittelalterlicher Handwerker z’erst de Figur in Bronze gossen - a Mischung aus Kupfer und Zinn, manchmal mit a bissl Blei. Danach hätt er auf ausgewählte Bereiche a dünne Goldschicht aufbracht, zum Beispiel aufs G’sicht, de Brust oder an Heiligenschein.
So hat des Objekt bei Kerzenliacht warm und leuchtend g’wirkt, ohne de Kosten von massivem Gold. Über Jahrhunderte korrodiert oder blättert viel von dieser Außenschicht ab. Dass Dybviks Fund no sichtbare Vergoldung zeigt, deutet drauf hin, dass er schwere Schäden durch Pflug und Dünger vermieden hat - tief gnua, und mit genug Glück, um bis heut z’überleben.
D’Distanz zwischen Verlust und Überleben is in dieser G’schicht in nur wenigen Zentimetern Erd’ g’messen worn.
Während de Statue in Trondheim sorgfältig untersucht wird, wird des Feld außerhalb von Åndalsnes weiterhin Ertrag liefern. Auf’n ersten Blick hat si nix g’ändert. Aber für Archäolog*innen, die im Stillen ihre Karten anpassen, und für an Mann, dessen Metalldetektor genau im richtigen Moment gepiepst hat, wird diese Landschaft nie wieder ganz gleich ausschauen.
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