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Pension: So viel solltest du als Alleinlebende*r in Österreich idealerweise bekommen.

Ältere Frau macht Finanzberechnungen am Tisch mit Taschenrechner, Notizbuch und Euro-Geldscheinen.

Fridayabend, 19:48 Uhr
Claire scrollt am Sofa durch ihr Online-Banking, die Take-away-Box halb offen, der Fernseher summt im Hintergrund. Ihr Gehalt kommt am 28., ist vor dem 10. schon wieder weg, und irgendwo zwischen Miete, Einkaufen und Tierarzt kommt eine Frage immer wieder zurück wie ein nerviger Popsong: „Wenn i alt bin und allein in der Wohnung sitz … wie viel brauch i dann eigentlich, um g’scheit leben zu können?“

Sie googelt „ideale Pension allein leben“ und landet in einem Dschungel aus Prozenten, Abkürzungen und g’scheit daherredenden Rechnern, die zwanzig Details abfragen, die sie grad natürlich nicht parat hat. Keine klare Zahl. Keine menschliche Geschichte. Nur abstrakte Modelle, die von einem Traumleben ausgehen, das sie nicht wiedererkennt.

Die Wahrheit ist einfacher – und brutaler: Dein späterer Komfort passt in eine monatliche Zahl.
Und die fällt ganz anders aus, wenn du allein bist.

Also: Was ist eine „gute“ Pension, wenn man allein lebt?

Wenn du allein wohnst, kannst du die langweiligen Fixkosten mit niemandem teilen: Miete, Energie, Haushaltsversicherung, Internet, Streaming, Steuern. Zu zweit teilt man sich die Fixkosten. Als Single-Pensionist:in kriegst du die ganze Welle ins Gesicht. Darum klingt die berühmte „70 % vom letzten Gehalt“-Regel oft wie Science-Fiction, sobald du deine Rechnungen wirklich auflistest.

Für eine alleinlebende Person in der Stadt geben viele Planer:innen hinter vorgehaltener Hand zu: Die echte Komfort-Mindestzone fängt oft bei rund 1.800 bis 2.000 Euro netto pro Monat an. Darunter geht’s natürlich auch. Aber „es geht sich aus“ heißt meistens: Du entscheidest dich zwischen einem Besuch bei den Enkerln und der Reparatur vom Boiler. Ab 2.200–2.500 Euro fangst an zu atmen. Du kannst im Lokal „ja“ sagen, ohne drei Tage lang im Kopf zu rechnen.

Das kauft dir keinen Luxus. Das kauft dir Ruhe. Die Möglichkeit, den Postkastl aufzumachen, ohne dass dir der Magen zusammenzieht. Den Raum, älter zu werden, ohne dass jede kleine Freude wie ein finanzieller Fehler wirkt.

Nehmen wir ein konkretes Leben. Marc, 62, geschieden, lebt in einer mittelgroßen Stadt. Miete: 750 Euro. Betriebskosten, Strom, Internet, Handy: 230 Euro. Lebensmittel: 300–350 Euro, wenn er’s nicht übertreibt. Mobilität: 70 Euro. Zusatzversicherung und Gesundheitskosten: mit dem Alter leicht 120 Euro im Monat. Bevor er überhaupt einen Kaffee auf einer Terrasse trinkt, ist er schon bei über 1.400 Euro Fixkosten.

Mit 1.300 Euro Pension greift er jeden Monat ins Ersparte. Mit 1.700 Euro kommt er durch, sagt aber Nein zu Hochzeiten im Ausland und oft auch zu Ausflügen mit Freund:innen. Ab 2.000 Euro passiert was Magisches: Es ist wieder Leben da. Ein Zugticket, ein kleines Geschenk für die Tochter, eine Zahnarztrechnung, die nicht drei Monate Budget zerlegt.

Am Papier schaut der Unterschied zwischen 1.700 und 2.100 Euro nicht nach Revolution aus. Im Alltag, allein daheim, ist’s die Linie zwischen „verzichten“ und „auswählen“. Genau das heißt „ideale Pension“, wenn im Bad nur eine Zahnbürste steht.

Hier ist das grobe Grundgerüst, das viele Finanzplaner:innen verwenden: Geh von deinem aktuellen Nettoeinkommen aus. Für eine alleinlebende Person in Pension peilst du 75–80 % an, wenn du denselben Lebensstil halten willst, besonders in Großstädten. Wenn du 2.500 Euro netto verdienst, liegt das Ziel bei ca. 1.900 bis 2.000 Euro. Bei 3.000 Euro sind’s grob 2.250 bis 2.400 Euro.

Dann ziehst du alles ab, was du nicht mehr zahlst: Pendelkosten, private Pensionsvorsorge (sofern du sie dann beendest), vielleicht Arbeitskleidung. Und du addierst, was ziemlich sicher steigt: Gesundheit, Heizen (weil du mehr daheim bist), kleine Dienstleistungen, die du dir holst, weil dein Rücken Leitern nicht ewig mögen wird. Plötzlich geht diese „ideale“ Zahl oft um 200–300 Euro rauf.

Ein Satz Klartext: Niemand geht „zufällig“ in Pension – man geht in das Budget hinein, das man sich über Jahre still zusammengebaut hat. Je ehrlicher du dir heute deine echten Kosten anschaust, desto realistischer wird deine spätere Zahl. Du suchst keine Perfektion. Du suchst einen Monatsbetrag, mit dem du nachts schlafen kannst, ohne zweimal die Banking-App aufzumachen.

Wie du deine eigene ideale Pension berechnest, wenn du allein bist

Nimm dir ein Notizbuch, einen Kaffee und deine letzten drei Kontoauszüge. Vergiss Theorie für einen Moment. Schreib deine aktuellen Fixausgaben auf: Wohnen, Energie, Internet, Versicherungen, Abos. Dann stell dir die Pensionsversion davon vor: vielleicht weniger Mobilität, aber mehr Heizkosten. Notier realistische Zahlen – nicht das Wunsch-Minimalbudget, wo du „eh weniger isst“ und „eh weniger ausgehst“.

Als Nächstes kommen deine nicht verhandelbaren Freuden dazu: zweimal im Monat essen gehen, einmal im Jahr eine Reise, Geld für Hobbys und kleine Geschenke. Rechne 10–15 % Puffer für Überraschungen dazu, weil Überraschungen kommen immer. Die Summe ist deine persönliche „ideale Pension“, um allein würdevoll zu leben. Wenn man diese Zahl schwarz auf weiß sieht, erschreckt’s einen manchmal – aber es bringt auch Ruhe in den Kopf.

Wenn deine voraussichtliche gesetzliche Pension darunter liegt, ist das kein Grund zur Panik. Es ist ein Signal. Vielleicht brauchst du Zusatzsparen, ein paar Jahre länger (Teilzeit) arbeiten oder einen Umzug in eine günstigere Gegend. Das Ziel ist kein perfekter Plan. Das Ziel ist, nicht erst mit 67 draufzukommen, dass dir 400 Euro im Monat fehlen, wenn deine Optionen schon begrenzt sind.

Viele Singles unterschätzen die Wohnkosten. Sie denken: „Wenn i den Kredit abzahl, bin i safe.“ Und dann kommt die Realität: Rücklagen in der Eigentümergemeinschaft, Dachsanierung, der Lift, der dauernd ausfällt, Grundsteuer. Mieter:innen träumen von Eigentum, Eigentümer:innen träumen von kleineren Rechnungen. So oder so: Wohnen frisst meistens den größten Teil vom Single-Pensionsbudget.

Die andere Falle ist Optimismus bei der Gesundheit. Wir sagen uns, wir bleiben „eh aktiv“, und das ist super. Aber Brille, Zahnarzt, Physio, Hörgerät: Das ist keine Science-Fiction. Mit einer Single-Pension kann ein 600-Euro-Zahnarzt-Schock drei Monate Leben aus der Spur hauen. Eine durchschnittliche monatliche „Gesundheits-Hülle“ einzuplanen – auch wenn ein Teil davon am Anfang als Erspartes liegen bleibt – kann den Unterschied machen zwischen Kontrolle und Dauerstress.

Und dann gibt’s noch einen leiseren, emotionalen Fehler: sich einzureden, man braucht später fast nix mehr, weil „i geh eh nimma viel raus“. Das ist kein Budget. Das ist vorweg aufgegeben. Dein Zukunfts-Ich verdient mehr als Überleben am Sofa, mit dem Fernseher als Hauptkontakt zur Welt.

„Allein in Pension heißt nicht, dass man klein leben muss“, sagt Sophie, 69, die rund 2.050 Euro im Monat bekommt und in einem bescheidenen, aber lebendigen Grätzl wohnt. „I hab das Auto abgeschafft, i teil mir mit Nachbar:innen einen Gemüsegarten, und einmal im Jahr fahr i mit dem Zug weg. I fühl mi nicht reich. Aber i fühl mi frei. Meine Pension ist nicht riesig – sie passt halt zu meinem Leben.“

Mach daraus eine einfache Checkliste, die du einmal im Jahr wieder durchgehst:

  • Aktuelle Fixkosten auflisten und in die Pension hochrechnen
  • Mindest-Komfortbudget definieren (Rechnungen + Essen + Gesundheit)
  • „Freudenbudget“ dazugeben (Freizeit, Reisen, Geschenke, Ausgehen)
  • Voraussichtliche Pension schätzen (staatlich + betrieblich + privat)
  • Lücke messen und planen, wie du sie kleiner machst: sparen, länger arbeiten, umziehen, Zusatzeinkommen

Diese kleine Routine nimmt dir die Unsicherheit nicht komplett. Aber sie gibt dir ein Cockpit. Und sobald die scary Zahl eine Form hat, wird Reden leichter: mit einer Finanzberatung, mit der Familie oder einfach mit dir selbst – in dem ruhigen Moment, wo du sagst: „Okay. Dorthin soll’s gehen.“

Allein in Pension, aber nicht einsam: Geld als Werkzeug, nicht als Urteil

Hinter all den Rechnereien geht’s nicht um Euro. Es geht um Vormittage. Um den Kaffee, den du ohne Stress trinkst. Um Freundschaften, die du am Leben hältst. Um die Ruhe, nicht zehnmal die Einkaufsliste im Kopf durchzugehen, bevor du zur Kassa gehst, weil du Angst hast, die Karte wird abgelehnt. Wir kennen alle diesen Moment, wo der Kontostand entscheidet, ob du rausgehst oder daheim bleibst.

Für eine alleinlebende Person ist die „ideale Pension“ weniger eine universelle Zahl als eine Frage der Stimmigkeit: Wohnen passend zum Einkommen, Lebensrhythmus passend zum Körper, Freuden passend zum Budget. Mancherorts können 1.600 Euro ein schönes, schlichtes Leben mit Garten und Nachbar:innen bedeuten, die anklopfen. In Großstädten halten dich 2.300 Euro vielleicht grad so über Wasser – aber auch drinnen im Kulturleben, das den Kopf wach hält.

Seien wir ehrlich: Niemand macht das jeden Tag. Niemand optimiert endlos. Leben ist chaotisch, Familien sind kompliziert, Karrieren gehen in Zickzack. Aber zwei, drei Abende jetzt für diese Frage zu reservieren, ist eine stille Form von Selbstrespekt. Dein Zukunfts-Ich – das ein bissl langsamer geht und ein bissl lauter lacht, weil’s weniger beweisen muss – wird dir dafür dankbar sein.

Key point Detail Value for the reader
Persönliche ideale Pension Ziel: grob 75–80 % vom letzten Nettoeinkommen, wenn du allein lebst – angepasst an Stadt und Lebensstil Gibt ein konkretes Monatsziel statt diffuser Angst
Realistische Budget-Aufteilung Fixkosten, Komfortausgaben und „Freuden-Geld“ trennen, dann mit der voraussichtlichen Pension vergleichen Zeigt klar, wo Lücken sind und wo du ansetzen kannst
Platz für Entscheidungen, nicht nur Überleben Gesundheitskosten und kleine Freuden einplanen, nicht nur Miete und Essen Hilft, eine Pension zu gestalten, die lebbar ist – nicht nur irgendwie auszuhalten

FAQ:

  • Frage 1: Gibt’s eine magische Zahl für die ideale Pension, wenn man allein lebt?
    Antwort 1: Eine Zahl passt nie für alle. Als grobe Orientierung berichten viele alleinlebende Pensionist:innen in Städten von echtem Komfort ab etwa 1.800–2.000 Euro im Monat (am Land oft weniger). Entscheidend ist aber, dass du dein eigenes detailliertes Budget plus Sicherheitsreserve abdeckst.
  • Frage 2: Wie früh sollt i anfangen, mein Single-Pensionsbudget zu planen?
    Antwort 2: Sobald du ein stabiles Einkommen hast, kannst du grob skizzieren. Ein wirklich ernsthafter, detaillierter Blick passiert oft zwischen 40 und 55, wenn Karriereweg und Wohnsituation klarer sind und noch genug Zeit zum Nachjustieren bleibt.
  • Frage 3: Was, wenn meine geschätzte Pension niedriger ist als mein „Ideal“-Betrag?
    Antwort 3: Diese Lücke ist deine Handlungszone: mehr sparen, länger arbeiten, kleiner/ günstiger wohnen oder ein Zusatzeinkommen aufbauen. Selbst kleine Anpassungen über 10–15 Jahre können überraschend viel schließen.
  • Frage 4: Macht Eigentum Sinn, wenn i allein in Pension geh?
    Antwort 4: Eigentum kann langfristig den Wohnkosten-Druck reduzieren, bringt aber Erhaltung und Abgaben mit. Es lohnt sich oft, wenn die Wohnung/das Haus altersgerecht ist (Lift, Nahversorgung, Services in der Nähe) und nicht so teuer, dass es den Rest vom Budget abwürgt.
  • Frage 5: Wie kann i mich als Single-Pensionist:in vor Einsamkeit schützen – abseits vom Geld?
    Antwort 5: Plan soziale Dinge fix ins Budget ein: Kurse, Vereine, Mobilität, um Freund:innen oder Familie zu sehen. Eine Gegend oder Gemeinde mit aktiven Initiativen, Treffpunkten und gutem Öffi-Netz kann genauso wichtig sein wie die Zahl am Pensionszettel.

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