Du bist allein in deiner Küche und redst mit der Kaffeemaschine, als wär sie a faule Kollegin.
„Geh bitte, mach ma des heut ned.“
Du verdrehst die Augen über di selbst, halb amüsiert, halb beunruhigt. Is des normal? Is des der Anfang, denkst da, dieser langsame Rutscher in irgendwas, worüber ma später in der Therapie nur noch scherzt?
Auf da Straße fangst in a Schaufenster dein Spiegelbild ein, die Lippen bewegen si.
Im Auto spielst im Kopf durch, was’d gestern im Meeting hättest sagen sollen.
In da Nacht streitest mit wem, der ned amal im Raum is.
Sonst hört’s kana. Du schon.
Psycholog*innen haben an Namen für diese sehr private G’wohnheit.
Und es is ned der, vor dem du di fürchtest.
Warum ma viel öfter mit uns selber reden, als ma zugeb’n
Wennst den inneren Soundtrack von allen hören könntest, würd die Welt klingen wie a leises Gemurmel aus Nebenbemerkungen, Erinnerungen, Motivationssprüchen und stillen Beleidigungen. Psycholog*innen nennen des „Self-Talk“ oder „innere Sprache“, und fast alle von uns machen’s – den ganzen Tag.
Manchmal rutscht’s laut raus, so wie wennst bei da Tür flüsterst: „Schlüssel ned vergessen“, oder nach’m Verschütten vom Getränk raunzt: „Trottel.“
Manchmal spielt’s si nur im Kopf ab: a ständiger Erzähler, der beschreibt, beurteilt, coacht, zweifelt.
Wir stellen uns gern vor, wir wären rational und im Kopf still.
In Wahrheit leben die meisten von uns mit an Mitbewohner im Schädel, der nie die Pappn hält.
Schau dir die Momente an, wo dein Self-Talk lauter wird.
Vor a Prüfung flüstern Leute eher Formeln oder Anweisungen für si selber.
An an stressigen Arbeitstag erwischst di vielleicht dabei, wie’d sagst: „Oans nach’m andern“, oder: „I pack’s nimma.“
A Studie von 2011 von der University of Michigan hat g’funden, dass a einfacher Trick – in da zweiten Person mit dir reden („Du schaffst des“) statt mit „I“ – Stress senkt und die Leistung beim öffentlichen Reden verbessert. Sportlerinnen verwenden des dauernd. Läuferinnen wiederholen: „Halt dein Tempo.“ Tennisspieler*innen murmeln Taktik zwischen die Punkte.
Dann gibt’s die dunklere Seite.
Self-Talk, der zu „Du bist nix wert“ oder „Du versaust des“ wird, is in mehreren klinischen Studien mit Angststörungen und Depressionen in Verbindung gebracht worden.
Psychologisch gesehen erfüllt mit sich selber reden ein paar große Funktionen.
Es hilft dir, Gedanken zu ordnen, Aufgaben zu merken und Gefühle zu regulieren. Kinder lernen, ihr Verhalten teilweise zu steuern, indem’s ihre Gedanken laut aussprechen; mit der Zeit wandert diese Stimme nach innen, aber die Funktion bleibt.
Darum mag dein Gehirn diese G’wohnheit: Es is a eingebautes Leitsystem.
Self-Talk is im Grunde dein Kopf, der versucht, deine Emotionen in irgendeine Ordnung zu bringen.
Tricky wird’s beim Ton.
Wenn die innere Stimme hart, repetitiv und absolut wird – „Du scheiterst immer“, „Dich mag eh kana“ – dann hört’s auf hilfreich zu sein und beginnt, deine Identität auf a Art zu formen, die weh tut.
Was dein Self-Talk wirklich mit dir macht
A starke Methode, die Psycholog*innen erforschen, heißt „distanzierter Self-Talk“.
Klingt subtil, fühlt si aber deutlich anders an.
Statt „I werd des Meeting versauen“ wechselst auf deinen Namen oder „du“: „Alex, des hast scho öfter g’macht. Du weißt, wovon’d redst.“
Dieser kleine Wechsel schafft an winzigen emotionalen Abstand.
Du trittst a Stück zurück vom Panikgefühl und redst mit dir so, wie’d mit an Freund reden würdest. Hirnscan-Studien zeigen, dass diese Art Self-Talk Bereiche beruhigt, die mit Bedrohung zusammenhängen, und jene hochfährt, die für Kontrolle und Denken zuständig sind.
Er löscht Angst ned einfach weg.
Aber er gibt dir an Griffpunkt, wenn deine Gedanken zu rutschen anfangen.
Viele von uns verwenden Self-Talk eher als Waffe denn als Werkzeug.
Vielleicht hörst di nach an kleinen Fehler sagen: „Bist deppat“, und lässt es durchgehen, als wär’s nix.
Mit der Zeit wird dieses „nix“ zum Soundtrack.
Seien ma ehrlich: Ka Mensch macht das jeden einzelnen Tag – diesen sorgfältigen, bewussten Self-Talk, den Psycholog*innen empfehlen.
Wir merken uns, wenn was schiefgeht.
Wir vergessen die dutzenden Momente, wo a leises „Du packst des“ uns trotzdem hat auftauchen lassen.
Der häufige Fehler is zu glauben: Weil die Stimme deine is, muss sie wahr sein.
In Wahrheit is viel von dem inneren Kommentar nur alte Angst auf Dauerschleife.
Psychologe Ethan Kross, der seit Jahren innere Sprache erforscht, fasst’s so zam: „Die Stimme in unserm Kopf kann unser schlimmster Feind oder unser bester Coach sein. Der Unterschied liegt darin, wie wir mit uns selber reden, wenn’s am meisten zählt.“
Wennst beginnst, deinen Self-Talk zu bemerken, springen meistens ein paar Muster sofort ins Aug:
- Der Kritiker – Fixiert auf Fehler, selten auf Fortschritt, liebt Wörter wie „immer“ und „nie“.
- Der Coach – Nutzt Anweisungen und Ermutigung: „Atmen“, „Oans nach’m andern“, „Du hast vom letzten Mal g’lernt“.
- Der Erzähler – Kommentiert alles: „I bin so komisch“, „Die Schlange dauert ewig“, „Er is genervt von mir“.
- Der Historiker – Kramt alte Pleiten hervor, als wären’s grad aktuell: „Weißt eh noch, wie’d des schon einmal verbockt hast?“
- Der Zukunfts-Macher – Malt Szenarien aus und bereitet di vor: „Wenn’s nein sagen, bist trotzdem okay. Du probierst’s nochmal.“
Dein psychisches Gleichgewicht hängt weniger davon ab: „Red i mit mir selber?“
und mehr davon, welche von diesen Stimmen du dauernd lauter drehst.
Wenn mit sich selber reden zum Spiegel wird
Sobald du deine innere Sprache wahrnimmst, is sie nimma nur Hintergrundrauschen.
Muster tauchen auf.
Du merkst, dass die Art, wie’d an an schlechten Tag mit dir redst, ganz anders is als an an guten.
Diese innere Stimme zeigt, was’d heimlich über di glaubst: ob’d Geduld verdienst, ob’d scheitern darfst, ob’d di grundsätzlich für fähig hältst oder innerlich „kaputt“.
Manchmal zeigt’s a Echo von Worten anderer – lang nachdem’s schon weg sind.
Vielleicht ertappst di dabei, dass der Ton deiner Eltern in deine Gedanken hineing’rutscht is.
Oder von am früheren Chef.
Oder von wem, der di einmal beschämt hat, und du hast’s nie wirklich vergessen.
Aus psychologischer Sicht wird Self-Talk da weniger zu an Spleen und mehr zu an Spiegel.
Ned jedes „I bin so a Trottel“ is natürlich a Krankheitszeichen.
Meistens is es nur a unbeholfene Redewendung, festpickt an Frust.
Wichtig sind Dauer und Wirkung.
Wenn deine innere Sprache chronisch feindselig, starr und hoffnungslos is – und di davon abhält, etwas zu probieren, Kontakt zu halten, auszurasten – dann is es nimma nur a G’wohnheit.
Dann is es a Symptom.
Das heißt ned, dass’d „deppert“ bist.
Es heißt, dein Kopf übt seit langem das falsche Drehbuch – und vielleicht braucht er Hilfe, es umzuschreiben.
Ein paar Zeichen zeigen Psycholog*innen, dass Self-Talk vielleicht a Grenze überschreitet:
- Es klingt wie a eigene, äußere Stimme, die dir Befehle gibt.
- Es sagt dir, du sollst dir selbst oder anderen was antun.
- Es überrollt die Realität komplett („Alle hassen di“, „Es wird nie besser“).
- Es reagiert überhaupt ned, wennst versuchst, es zu hinterfragen oder weicher zu machen.
- Es lässt di erschöpft, beschämt oder abgekoppelt von Menschen zurück, die’d liebst.
Self-Talk allein is ka Diagnose.
Aber er is a Teil vom Bild, auf das Therapeut*innen genau schauen, weil er zeigt, wie’d zu dir stehst, wenn kana hinschaut.
Das Überraschendste: Self-Talk is auch a Tür.
Änder a Woche lang, wie’d in deinem Kopf mit dir redst, und du spürst vielleicht a fast peinliche Weite – als hättest schweres Möbel verruckt und siehst auf einmal den Raum.
Manche fangen damit an, an typischen Tag innerer Sprache einfach aufzuschreiben.
Andere nehmen a Sprachmemo auf und tun so, als würden’s mit an Freund reden, dem’s genau so geht wie ihnen.
Wenn’s es dann abspielen, sind viele schockiert, wie hart sie klingen.
Das is die stille Kraft dran: Sobald’d wirklich hörst, wie’d mit dir redst, kannst nimma so tun, als würd’s di ned beeinflussen.
| Kernpunkt | Detail | Nutzen für Leser*innen |
|---|---|---|
| Self-Talk is universell | Fast alle verwenden innere Sprache zum Planen, Merken und zum Regulieren von Emotionen | Normalisiert, mit sich selber zu reden, und nimmt unnötige Angst vorm „Wahnsinnigwerden“ |
| Wie’d redst is wichtiger als wie oft | Unterstützender, „distanzierter“ Self-Talk hängt mit besserer Leistung und weniger Stress zusammen | Hilft, von Selbstkritik zu an wirksameren, freundlicheren inneren Dialog zu wechseln |
| Negative Muster sind veränderbar | Ton bemerken, extreme Gedanken hinterfragen und a „Coach“-Stimme üben kann Gewohnheiten umformen | Gibt praktische Hoffnung und an realistischen Weg zu besserer psychischer Gesundheit |
FAQ:
- Is laut mit sich selber reden a Zeichen von a psychischen Krankheit? Meistens ned. Viel lauter Self-Talk is a normale Strategie zum Fokussieren, Merken oder Runterkommen. Bedenklich wird’s eher, wenn sich die Stimme „von außen“ anfühlt, befehlend is oder von der Realität abgekoppelt wirkt.
- Gibt’s a „richtige“ Art, mit sich selber zu reden? Forschung legt nahe: In Stressmomenten den eigenen Namen oder „du“ verwenden, so reden wie mit an Freund, und absolute Aussagen wie „immer“ oder „nie“ vermeiden.
- Kann Self-Talk ändern wirklich ändern, wie i mi fühl? Ned über Nacht, aber ja. Studien aus der kognitiven Verhaltenstherapie zeigen, dass das Verschieben von repetitiven negativen Gedanken Angst und Depression mit der Zeit lindern kann.
- Was, wenn mein Self-Talk dauernd negativ is? Das kann a Zeichen sein, dass’d Unterstützung brauchst. Diese Gedanken zu notieren, ihre „Wahrheit“ zu hinterfragen und mit an Therapeut*innen zu reden, kann helfen, dass’s weniger Macht über di haben.
- Is es komisch, dass i Gespräche im Kopf probe? Überhaupt ned. Mentales Proben is a häufige Form von Self-Talk, die hilft, di vorzubereiten, Grenzen zu testen und vor echten Begegnungen mehr Kontrolle zu spüren.
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